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Full text of "Beitrag zur Kenntniss der Gaumenbildung bei den Reptilien .."

THE FIELD MUSEUM LIBRARY 






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FIeld Museum 

OF 

Natural History 

CD 




s 



Digitized by the Internet Archive 

in 2013 



http://archive.org/details/beitragzurkenntnOObusc 



Beitrag zur 

Kenntniss der Gaumenbildung 

bei den Reptilien/ 



Inaugural-Dissertation 

der Philosophischen Facultät der Universität (Hessen 
behufs Erwerbung des Doetorgrades 

vorgelegt 



von 



Carl H. Busch, 

Lehramts-Assessor. 



•**©£«• 



Jena, 

Gustav Fischer. 
1898. 



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S ' l 



Die morphologischen Verschiedenheiten der Munddecke bei den 
Reptilien sind zwar schon öfter von Forschern angedeutet und in 
speciellen Fällen theilweise auch näher beschrieben worden, aber eine 
zusammenhängende, umfassende Behandlung dieses Gegenstands existirt 
meines Wissens bis heute noch nicht. Es dürfte daher ein Beitrag 
zur Erweiterung unserer Kenntnisse, wenn auch nur in Bezug auf die 
Munddeckenbildung der Lacertilier, um so willkommener sein, als die 
schon bei den Schildkröten begonnene, aber erst bei den Krokodilen 
zur hohen Vollendung kommende Ausbildung eines wirklichen Gaumens 
uns die Fragen nahelegen: 

a) Finden wir unter den heutigen Eidechsen Formen, die sich 
hinsichtlich einer allmählich fortschreitenden Vervollkomm- 
nung des Baues ihrer Munddecke zu einer aufsteigenden Reihe 
anordnen lassen? 

b) Vermögen wir in den obersten Gliedern dieser Reihe Vorstufen 
zu der Gaumenbildung von Schildkröten, Krokodilen und Säuge- 
thieren zu erkennen? 

Bevor wir nach dieser Richtung hin die einzelnen Familien der 
Lacertilier einer nähern Betrachtung unterwerfen, ist es nöthig, zu- 
nächst mit wenigen Worten des abweichenden Verhältnisses zu ge- 
denken, in welchem bei den niedern und höhern luftathmenden Veite- 
braten das Geruchsorgan zur Mundhöhle steht. Bei den Amphibien 

1* 



ist das Geruchsorgan im Wesentlichen nichts anderes als ein einfacher 
Nasengang, der die Decke der primären Mundhöhle kurz hinter 
dem Prämaxillare durchbricht. In einen Gegensatz dazu tritt die 
Nasenhöhle der Säuger dadurch, dass an ihrer Bildung nicht nur 
ein dem Nasengang der Amphibien entsprechender Hohlraum, sondern 
auch noch ein Abschnitt der ursprünglichen Mundhöhle betheiligt ist, 
der gegen die definitive oder secundäre Mundhöhle durch den harten 
und weichen Gaumen abgegrenzt wird. Nur in diesem Sinne werde 
ich in meiner Arbeit von einer Nasenhöhle sprechen. — Der bei 
den Säugethieren noch verbleibende, ungetheilte hintere Abschnitt der 
primären Mundhöhle bildet bekanntlich den Pharynx, in den die Ein- 
mündung der Nasenhöhle hinter dem weichen Gaumen durch das 
Ostium pharyngo-nasale erfolgt. Als Choanen bezeichne ich in Ueber- 
ein Stimmung mit dem ursprünglichen Gebrauch nur die hintere Oeff- 
nung am macerirten knöchernen Schädel. Eine scharfe Definition 
dieser Benennungen und ein strenges Festhalten an der ihnen einmal 
in der Anatomie des Menschen gegebenen Bedeutung erscheint mir 
unerlässlich. Ich werde deshalb im Folgenden nur da von Choanen 
sprechen, wo eine Trennung der secundären Mundhöhle von der Nasen- 
höhle durch einen knöchernen Gaumen besteht. 

Unter den Reptilien ist letzteres bekanntlich am vollständigsten 
der Fall bei den Krokodilen. Diese übertreffen hierin sogar noch die 
meisten Säuger, in so fern sich bei ihnen an der Herstellung der 
Gaumenplatte nicht nur die Maxillaria und Palatina, sondern auch 
noch die Pterygoidea dadurch betheiligen, dass sie von ihrem lateralen 
Rand aus Gaumenfortsätze bilden, die in der Mittellinie zusammen- 
stossen. Hierdurch fallen die Choanen gänzlich in den Bereich der 
Flügelbeine, was bei den Säugethieren fast niemals geschieht. Aehn- 
liche Verhältnisse der Gaumenbildung wie bei den letztern finden wir 
unter den Schildkröten bei den Cheloniiden, indem auch bei diesen die 
Pterygoidea nicht in die Begrenzung der Choanen mit einbezogen 
werden. Der Gaumen der Cheloniiden kommt ausschliesslich dadurch 
zu Stande, dass sich an den langen, unpaaren Vomer von beiden 
Seiten her vorn die Gaumenfortsätze der Maxillaria und dahinter die- 
jenigen der Palatina anlegen. Diese sowie die Gaumenfortsätze der 
Maxillaria berühren sich hier jedoch in der Mittellinie nicht, sondern 
bleiben durch den Vomer von einander getrennt. Am hintern Rande 
des letztern, ziemlich weit vor den Flügelbeinen, liegen die Choanen. 
Bei Testudo, Emys und Trionyx finden wir keinen harten, sondern 
nur einen weichen Gaumen in mehr oder weniger ausgeprägter Form. 



_ 5 

Bei den Ophidiern kommt es überhaupt nicht zu einer Gaumenbildung; 
wir können sie daher gänzlich von unserer Betrachtung ausschliessen 
und uns nunmehr der engern Frage nach dem Munddeckenbau der 
Lacertilier zuwenden. Ich bemerke jedoch von vorn herein, dass es 
mir bei dem grossen Umfang des Gebiets nicht möglich gewesen ist, 
von allen Familien geeignete Repräsentanten zu erlangen und zu 
untersuchen; ich habe deshalb meine Beobachtungen auf die be- 
kanntesten Familien beschränkt. Der Anordnung meines Materials 
habe ich den BouLENGEü'schen „Catalogue of the Lizards in the 
British Museum, Second Edition, Vol. 1 — 3" zu Grunde gelegt. Von 
den echten Lacertiliern habe ich die GccJconidae, Agarnidae, Iguanidae, 
Anguidae, Varanidae, Teiidae, Amphisbaenidae, Lacertidae, Scincidac 
und Ghamaeleontidae untersucht; ausserdem habe ich noch, trotz seiner 
Sonderstellung, Sphenodon in meine Betrachtungen mit hineingezogen. 

Die Munddecke der Eidechsen stellt allgemein ein mehr oder 
weniger hohes Gewölbe dar, dessen Seitentheile die bogenförmige 
Zahnreihe tragen. Längs der Aussenseite von dieser erstreckt sich 
ringsum ein mit der Oberlippe der Säuger zu vergleichendes Gebilde, 
dem an der lingualen Seite des Zahnbogens ein mehr oder weniger 
dicker Wulst gegenüber steht. Ersteres ist im Wesentlichen eine 
Hautduplicatur, die oft durch Einlagerung von Drüsen verdickt wird; 
es trägt an der Aussenseite die Lippenschilder und ist von den Zähnen 
gewöhnlich durch einen schmalen, aber tiefen Spalt getrennt. Ich werde 
dieses als „ A u s s e n 1 i p p e " bezeichnen, im Gegensatz zu dem längs 
der lingualen Seite des Zahnbogens hinziehenden Wulst, den ich 
„Innenlippe" nennen will. An der letztern lassen sich in der 
Regel zwei verschiedene Abschnitte unterscheiden. Von diesen bildet 
den Haupttheil die eigentliche Innenlippe, welche sich in Gestalt eines 
Wulstes längs der Maxille hinzieht und im Bereich des Zwischen- 
kiefers gewöhnlich eine kleine knopfartige Verdickung aufweist. Wo 
eine solche vorhanden ist, setzt sie sich jederseits durch eine seichte 
Furche von dem übrigen Lippenwulst ab. Dieser trägt als zweiten 
Theil der Innenlippe medianwärts eine durchweg stark entwickelte 
Schleimhautfalte, die „Lippenfalte" genannt sein mag. Diese ist 
histologisch dadurch von der eigentlichen Innenlippe verschieden, dass 
sie bei fast sämmtlichen von mir untersuchten Eidechsen vollkommen 
drüsenfrei bleibt, während die letztere gewöhnlich Drüsen enthält. 
Nach hinten reicht die Lippcnfalte jederseits bis an zwei mächtige 
Wülste heran, welche durch die Kaumuskeln hervorgerufen werden. 



— 6 — 

Von diesen Wülsten setzt sich jene Falte mit ihrem hintern Ende 
meist ziemlich scharf ab, während sie gegen die vordere Partie der 
Mundhöhle ganz allmählich verstreicht. 

Zwischen diesen, gleichsam die Pfeiler des Gewölbes darstellenden 
Seitentheilen des Mundes spannt sich nun dessen eigentliche Decke 
aus, die in ihrem Bau mannigfaltige Variationen aufweist. Ihre ge- 
wöhnliche Grundform zeigt dicht hinter dem Bereich des Zwischen- 
kiefers ein auf dem Pflugscharbein ruhendes Feld, welches Born 
„Mittelplatte", Reichel „Gaumenfeld", Vogt u. Yung — bei Lacerta 
— „Vomerknopf genannt haben, für das mir „Vomerpolster" 
eine passendere Bezeichnung zu sein scheint. Gestalt und Grösse 
dieses Polsters wechseln in den einzelnen Familien der Lacertilier 
sehr; auch ist es häufig in verschiedene Abschnitte gesondert. Fast 
ausnahmslos führt ein niedriger, medianer Kamm, die „Vomer- 
1 eiste", von dem vordersten Theil der Innenlippe auf das Vomer- 
polster über. Zu beiden Seiten wird dieses durch zwei weite Oeff- 
nungen begrenzt, die mit dem Epithel der Mundschleimhaut ausge- 
kleidet sind und nach oben in die mit Riechzellen versehenen Ab- 
schnitte des Nasengangs hinleiten. Da sie die Einmündung des 
letztern in die Mundhöhle vermitteln und sich zu demselben analog 
verhalten wie die mit Epidermis ausgekleideten „äussern Vorhöhlen" 
des Nasengangs (Born), sollen sie als dessen „innere Vorhöhlen" 
bezeichnet werden. Diese wie auch das Vomerpolster sind nach hinten 
durch die grösste Partie der Munddecke begrenzt, die ich nach den über 
ihr liegenden Knochen „Palatopterygoidfeld" nenne. Dasselbe 
trägt jederseits die hintern Partien der Lippenfalte und ist von einer 
bald engern, bald breitern medianen Furche durchzogen. In diese 
schneidet von hinten die „ Sphenoidbucht" ein, an deren Grund 
gewöhnlich ein langer, spindelförmiger Wulst die Lage des Rostrum 
sphenoidale erkennen lässt. Ausser dieser Bucht bilden den hintern 
Abschluss des Palatopterygoidfelds die bereits oben erwähnten Kau- 
muskelwülste. 

In der Regel bleiben an der Munddecke die innern Vorhöhlen 
des Nasengangs nicht in ihrer ganzen Breite sichtbar, sondern jede 
von ihnen wird durch eine klappenartige Falte überdeckt, die sich 
vom Palatopterygoidfeld aus längs der Basis der Innenlippe gegen 
den Z wischen kiefer hin erstreckt. Hierdurch bleiben zumeist von den 
weiten Oeffhungen der innern Vorhöhlen des Nasenganges nur zwei 
schmale Spalten zu beiden Seiten des Vomerpolsters übrig. Letztere 
will ich „Nase ngaumen spalten" nennen, jene Deckfalten aber 



— aus später zu ersehenden Gründen — „Gaumenblätter". An 
ihrem vordem Ende sind die Nasengaumenspalten gewöhnlich äusserst 
eng und gegen die Innenlippe umgebogen; sie vermitteln daselbst die 
Ausmündung des JACOBSON'schen Organs. Ihr hinterer Abschnitt be- 
sitzt dagegen eine bald mehr bald weniger beträchtliche Breite, so 
dass man von hier aus einen Theil der innern Vorhöhlen des Nasen- 
gangs überblicken kann. 

Der Beschreibung der echten Lacertilier lasse ich diejenige des ein- 
zigen lebenden Rhynchocephaliers, Sphenodon punctatus, voraus- 
gehen. Die Munddecke desselben zeigt eine der einfachsten Formen. 
Von den meisten echten Lacertiliern abweichend ist bekanntlich 
u. A. bei Sphenodon das Vorkommen einer Reihe kräftiger Gaumen- 
beinzähne, welche annähernd parallel mit der hintern Hälfte des 
maxillaren Zahnbogens verläuft. Dieser eigen thümlichen Anordnung 
der Zähne entsprechend ist auch die Innenlippe modificirt, indem sie 
sich in ihrem hintern Abschnitt gabelt und mit dem einen Ast 
zwischen beide Zahnreihen, mit dem andern medianwärts von den 
Gaumenbeinzähnen hinzieht. Der mediale Ast trägt die Lippenfalte. 
Dieselbe bleibt ganz auf den Bereich der Gaumenbeinzahnreihe be- 
schränkt und verstreicht an deren vorderem Ende jederseits ziemlich 
plötzlich gegen die Innenlippe. Letztere nimmt kurz hinter der Prä- 
maxille erheblich an Breite zu, bis sie sich mit dem schmalen, in der 
Mittellinie aufsteigenden Zwischenkieferknopf vereinigt. Von diesem 
nach hinten führt die Vomerleiste als ein niedriger, medianer Wulst 
zur eigentlichen Munddecke empor. Den vordem Theil der letztern 
bildet das Vomerpolster. Dasselbe zerfällt in zwei deutlich unter- 
schiedene Abschnitte : hinten ein grosses Oval mit verdickten lateralen 
Rändern und davor ein rautenförmiges kleineres Stück, das von den 
umgebenden Partien scharf abgegrenzt und von der Vomerleiste durch- 
zogen ist. Diese erstreckt sich von vorn her ungefähr bis zur Mitte 
des ovalen Abschnitts als ein niedriger medianer Kamm, dann aber 
gabelt sie sich und läuft nach hinten in Form zweier dicken Wülste 
gegen die lateralen Ränder des Vomerpolsters aus. Die zu beiden 
Seiten von diesem gelegenen schmalen Nasengaumenspalten bilden 
lange, sichelförmig gegen die Medianlinie gebogene Einschnitte, die 
von unten her keinen Einblick in die innern Vorhöhlen des Nasen- 
gangs gestatten. Ueber die letztern hin legen sich die nur massig 
entwickelten Gaumenblätter. Dieselben setzen sich mit ihrem freien 
vordem Rand scharf von den benachbarten Weichtheilen der Mund- 
deckc ab, verstreichen aber nach hinten allmählich gegen das Palato- 



— 8 — 

pterygoidfeld. Dieses wird seiner ganzen Länge nach von zwei 
starken, gegen einander convexen Leisten durchzogen, welche mit ihrem 
vordem Ende unmittelbar an die aufgeworfenen Ränder des Vomer- 
polsters grenzen, während sie nach hinten bis an die mächtigen Kau- 
muskelwülste reichen, vor denen sie zusammen mit der Innenlippe 
endigen. Das von diesen Leisten eingeschlossene Stück des Palato- 
pterygoidfelds erscheint im Wesentlichen als eine breite Furche, in 
die von hinten her die verhältnissmässig schmale Sphenoidbucht scharf 
einschneidet. 

Vergleichen wir diese Weichtheile der Mundhöhle mit deren 
knöcherner Decke, so zeigt uns letztere einen noch einfachem Bau. 
Die kräftigen Maxillen entbehren eines Gaumenfortsatzes gänzlich und 
legen sich mit ihrem vordem Ende an den breiten, paarigen Zwischen- 
kiefer an. Auch diesem mangelt jede Spur eines horizontalen Fort- 
satzes, so dass die beiden Pflugscharbeine schon kurz hinter den 
Vorderzähnen mit ihm in Berührung treten. Zusammen genommen 
haben die Pflugscharbeine eine annähernd dreieckige Form und eine 
schwach gewölbte Unterfläche. Sie stossen in der Mittellinie eng an 
einander und besitzen vorn an ihrem ein wenig nach unten gewendeten 
lateralen Rand eine scharfe Ausbuchtung, entsprechend der Mündung 
des jAcoBSON'schen Organs anderer Eidechsen. Ob aber Sphenodon 
selbst ein solches besitzt, ist mir nicht bekannt und konnte von mir 
nicht näher untersucht werden, weil mir zur Anfertigung von Schnitt- 
präparaten kein Material zur Verfügung stand. 

Die lateral von den Vomeres gelegenen „innern Nasenöffnungen" 
bilden zwei lang gestreckte, weite Löcher, die in den Weichtheilen 
fast vollständig von den Gaumenblättern überdeckt werden. Ihren 
hintern Abschluss erhalten sie durch die Palatina. Diese sind vorn 
erheblich breiter als hinten und werden in ihrer ganzen Länge durch 
die nach vorn bis an die Vomeres reichenden Flügelbeine von einander 
getrennt. In ihrer vordem Partie stossen die letztern medianwärts 
eine Strecke weit zusammen, nach hinten dagegen trennen sie sich 
und schliessen eine breite „Pterygoidspalte" ein. Ausser dieser Spalte 
und den innern Nasenöflnungen zeigt die knöcherne Munddecke aller 
Eidechsen — ausgenommen die der Amphisbaenidae — noch zwei 
mehr oder weniger grosse Löcher: die Foramina suborbitalia. Jedes 
von diesen bildet gewöhnlich ein längliches Oval, an dessen Um- 
randung sich von den Knochen der Munddecke gemeinschaftlich ent- 
weder das Palatinum, Pterygoideum, Transversum und Maxillare oder 
nur die drei erstem allein betheiligen. Bei Sphenodon ist das crstere 



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der Fall, indes bilden bei ihm die Foramina suborbitalia keine Ovale, 
sondern stellen knieartig gebogene Löcher dar, in welche die zahn- 
tragenden lateralen Ränder der Palatina mit einem nach hinten ge- 
richteten Fortsatz hineinragen. In den Weichtheilen werden jene 
Foramina bei sämmtlichen Eidechsen, wo sie vorkommen, von den 
hintern Theilen der Innenlippe vollständig verschlossen. 

Unter den echten Lacertiliern zeigen den einfachsten Bau der 
Munddecke die Agamidae und Iguanidae ; beide Familien lassen darin 
aber keine grössern Abweichungen von einander erkennen als ihre 
einzelnen Genera wieder unter sich. Von den erstem habe ich mit 
Heranziehung von Schnittpräparaten Galotes jubatus und Uromastix 
hardwiclcei, von den letztern Iguana tuberculata und Phrynosoma 
comuüim untersucht, während meine Beobachtungen bei den nach- 
benannten übrigen Vertretern jener. Familie sich auf die äussere Form 
der Mundweichtheile und den macerirten Schädel beschränken mussten. 

Agamidae. 

Calotes jubatus. Die Munddecke von Galotes ist verhältniss- 
mässig stark gewölbt und in ihrem vordem Theil mit einem gewaltigen 
Vomerpolster versehen. Letzteres stellt eine breite, nach hinten ab- 
gerundete Platte dar, die sich sammt der niedrigen Vomerleiste ohne 
scharfe Abgrenzung vom in term axillaren Theil der Innenlippe empor- 
wölbt. Lateral trägt das Vomerpolster jederseits eine schwache Aus- 
buchtung, wodurch die Nasengaumenspalten an ihrem hintern Ende sich 
erweitern, so dass ein kleines Stück der innern Vorhöhlen des Nasen- 
gangs sichtbar wird. In ihrem vordem Abschnitt sind die Nasen- 
gaumenspalten äusserst schmal; sie vermitteln daselbst den Austritt 
des JACOBSON'schen Organs, das bei Calotes sehr klein und im Ver- 
hältnis zur Lage des gleichen Organs bei andern Lacertiliern auf- 
fallend weit von der Medianlinie entfernt ist. Die massig stark ent- 
wickelten Gaumenblätter sind längs ihres medialen Randes schwach 
wellig gebuchtet und ziemlich scharf nach oben gerichtet. Sie über- 
ragen nach hinten das Vomerpolster nur ein wenig und verstreichen 
dann in einem sanften Bogen gegen die Lippenfalte und das Palato- 
pterygoidfeld. Aehnlich wie bei Sphenodon wird letzteres auch hier 
in seiner ganzen Länge von zwei breiten, nach hinten convergirenden 
Leisten durchzogen, so dass seine Gestaltung im Wesentlichen die 
nämliche ist wie dort. Abweichend von der vorigen Form ist nur die 
breite Medianfurche des Palatopterygoidfelds, in so fern dieselbe vorn 



— 10 - 

in zwei zu den Nasengaumenspalten hin führende schmale Rinnen aus- 
läuft. Hervorgerufen wird diese Bildung durch einen breiten, bei 
allen Agamiden vorkommenden keilartigen Wulst, der sich hinten an 
das Vomerpolster als eine Fortsetzung des die beiden Nasengänge von 
einander trennenden Septums ansetzt und den ich deshalb „ Nasen - 
gangscheide" nennen will. 

Diesen einfachen Verhältnissen in den Weichtheilen entspricht in 
der Hauptsache auch die knöcherne Munddecke. Die massig starken 
Maxiilaria tragen nur an ihrem vordem Ende wohl entwickelte Gaumen- 
fortsätze. Dieselben stossen eine Strecke weit zusammen und trennen 
dadurch — im Gegensatz zu Sphenodon — das unpaarige Prämaxillare 
von den Pflugscharbeinen. Ersteres ist schmal und besitzt einen nur 
winzigen Processus intermaxillaris ; die letztern aber sind breit und 
bilden zusammen ein längliches Oval, dessen untere convexe Fläche 
von einer breiten medianen Furche durchzogen wird. Medianwärts 
legen sich die beiden Vomeres in ihrer ganzen Länge an einander; 
ihr lateraler Rand ist nach aussen gekrümmt und entbehrt eines Ein- 
schnitts für die Ausmündung des jACOBSON'schen Organs gänzlich. 
Die verhältnissmässig breiten Palatina liegen in ihrer vordem Partie 
annähernd horizontal und berühren sich daselbst, weiter nach hinten 
sind sie jedoch getrennt und ein wenig dachförmig gegen einander 
geneigt. Längs ihres medialen Randes werden sie zum grössten Theil 
von den Flügelbeinen umsäumt, die ihrerseits lange spitze Fortsätze 
gegen die Vomeres entsenden, ohne indes — wie bei Sphenodon — 
mit diesen selbst in Berührung zu treten. Eine nur an ihrem hintern 
Ende breit auslaufende Palatopterygoidspalte trennt die Flügelbeine 
vollständig von einander. Vom hintern medialen Rand der letztern 
erstrecken sich zwei scharf gegen die Mittellinie gebogene Gristen 
nach vorn bis an die inner n Nasenöffnungen. Diese sind sichelförmig 
gegen die Vomeres gekrümmt und an ihrem hintern Ende erheblich 
breiter als vorn, wo sie in eine Spitze auslaufen ; ein Verschluss dieser 
Oeffnungen findet sich am Knochen nicht. 

Fragen wir jetzt nach den weitern Elementen, die ausser den 
soeben betrachteten Knochen zur Bildung der Munddecke von Calotes 
beigetragen haben, so geben uns die Schnittpräparate hierüber den 
gewünschten Aufschluss; es sind: das Epithel, Bindegewebe und Drüsen. 
Hiervon sind die letztern ganz und gar auf die Lippen beschränkt. 

Die Aussenlippe enthält zusammengesetzte tubulöse Drüsen mit 
kurzen, schräg nach innen gerichteten Ausführungsgängen. Nur von 
einem massig starken Bindegewebsgerüst zusammengehalten, ziehen sie 






— 11 — 

sich längs des ganzen Zahnbogens hin und häufen sich besonders 
in der vordem Aussenlippe zu einem mächtigen Drüsencomplex an. 
Im Gegensatz zu ihnen zeigen dip Drüsen der Innenlippe einen acinösen 
Bau und weite, leicht erkennbare Ausführungsgänge, die an der me- 
dialen Seite der Lippe ausmünden. Die Drüsen durchziehen die letz- 
tere jedoch nicht ganz, sondern lassen den vordem Theil im Bereich 
des Zwischenkiefers frei, so dass sie in zwei getrennte Lager zerfallen. 
An der eigentlichen Munddecke befinden sich keine Drüsen, vielmehr 
sind hier die weichen Partien hauptsächlich aus Bindegewebe und 
Epithel gebildet. Ersteres tritt im Ganzen nur recht spärlich auf, so 
dass wir — abgesehen von der Nasengangscheide — nur in den 
Gaumenblättern und dem Vomerpolster eine massig dicke Binde- 
gewebsschicht antreifen. Für die übrigen Theile der Munddecke liefert 
vorwiegend das Epithel den Ueberzug der Knochen. 

Eine im Wesentlichen gleiche Bildung der Munddecke wie bei 
Calotes zeigen unter den Agamiden Draco volans, Aganna stellio 
und Amphibolurus harhatus. Bei sämmtlichen finden wir ein 
breites Vomerpolster, das lateral von engen Nasen gaumen spalten be- 
grenzt wird und sich nach hinten durch die Nasengangscheide mit 
dem Palatopterygoidfeld verbindet. Dieses trägt bei allen drei Genera 
je zwei breite Leisten, die es in analoger Weise wie bei Calotes ge- 
stalten. Während aber diese Leisten bei Agama und AmpMbolurus 
sich mit ihrem hintern Ende" scharf von den Kaumuskelwülsten ab- 
setzen und von dort in einem gegen die Mittellinie convexen Bogen 
bis an die Nasengaumenspalten hinziehen , heben sie sich bei Draco 
von jenen Wülsten ganz allmählich ab, umschliessen ein ovales 
Mittelfeld und endigen, fast quer gegen die Innenlippe gerichtet, auf 
der Grenze zwischen dem Palatopterygoidfeld und den Gaumenblättern. 
Letztere sind im Allgemeinen gut entwickelt; ihre untere Fläche hat 
bei Draco ein glattes Aussehen, während dieselbe bei Agama und 
AmpMbolurus von wellenförmigen Furchen durchzogen erscheint. 

Auch die knöcherne Munddecke zeigt bei allen drei Genera ein 
ganz ähnliches Verhalten wie bei Calotes. Abweichend ist nur die 
breitere Palatopterygoidspalte, die sich nach vorn sogar bis zwischen 
die Vomeres erstreckt und von den verdickten medialen Bändern der 
Gaumen- und Flügelbeine begrenzt wird. Letztere entsprechen zugleich 
den bei Calotes scharf hervortretenden Leisten an der knöchernen 
Munddecke. 

Sehr verschieden von den bisherigen Agamiden ist die Bildung 
der weichen Munddecke bei Uromastix hardtvickei. Schon die 



— 12 — 

Lippen weichen von der gewöhnlichen Form ab. Die Aussenlippe ist zu 
mächtiger Entwicklung gelangt und gegen ihre hintern Enden in Folge 
der zahnartigen Zuspitzung der Lippenschilder mit einer eigenthüm- 
lichen Umrandung versehen. Der Innenlippe fehlt die Lippeufalte 
vollständig. Sie besteht im Wesentlichen aus zwei niedrigen Längs- 
wülsten, die vorn durch einen doppelten Zwischenkieferknopf mit ein- 
ander verbunden werden. Von diesem führt die niedrige Vomerleiste 
nach hinten auf das Vomerpolster hinüber. Letzteres zerfällt in zwei 
ungleich grosse Abschnitte ; von denselben liegt das kleinere vordere 
Stück mit einer glatten Unterfläche zu beiden Seiten der Vomerleiste, 
während der grössere Abschnitt sich an deren hinteres Ende als ein 
längliches Oval ansetzt und zahlreiche Querfurchen trägt. — Die 
Nasengaumenspalten erscheinen in ihrem Haupttheil als je zwei durch 
einen engen Schlitz mit einander verbundene kleine Löcher, deren 
vorderes an der Grenze zwischen den beiden Abschnitten des Vomer- 
polsters liegt. Von ihm geht nach vorn ein schmaler Spalt aus, der 
die Ausmündung des jAcoBSON'schen Organs vermittelt. Zuerst ver- 
läuft dieser Spalt annähernd sagittal, dann aber wendet er sich schräg 
nach aussen und schneidet in die Innenlippe ein. Die an ihrer Unter- 
fläche mit zahlreichen Querfurchen versehenen Gaumenblätter sind 
breit und äusserst kräftig entwickelt. Sie erstrecken sich nach hinten 
fast in gleicher Länge mit dem Zahnbogen, während ihr lippenartig 
aufgeworfenes voideres Ende bis an den Zwischenkieferknopf reicht. 
Von der Innenlippe sind die Gaumenblätter deutlich durch eine Furche 
getrennt; ebenso setzt sich ihr hinterer Rand scharf von dem Palato- 
pterygoidfeld ab. Letzteres wird seiner ganzen Länge nach durch 
die Nasengangscheide und einen von dieser nach hinten sich er- 
streckenden medianen Wulst halbirt. Da jede Hälfte des Palato- 
pterygoidfelds sich mit ihrem verdickten medialen Rand zum grössten 
Theil bis auf einen engen Spalt an diesen Wulst anlegt, verschwindet 
an der Munddecke von Uromastix die bei den übrigen Agamiden auf- 
tretende breite Mittelfurche vollständig. Nur eine mächtige Sphenoid- 
bucht bleibt bestehen, wodurch die beiden Hälften des Palatopterygoid- 
felds in ihren hintern Partien weit von einander getrennt werden. 

Eine erheblich grössere Uebereinstimmung als in den Mund- 
weichth eilen besteht zwischen Uromastix und den andern Aga- 
miden hinsichtlich des Baues der knöchernen Munddecke. Die 
Maxillaria sind kräftig und tragen ziemlich breite Gaumenfortsätze, 
die sich vorn mit einer kleinen Spitze berühren. Hierdurch wird das 
unpaarige schmale Zwischenkieferbein, dem eine Horizontallamelle 



— 13 - 

gänzlich fehlt, von den beiden Pflugscharbeinen getrennt. Diese bilden 
zwei schmale Knochenblätter, die sich mit ihrer vordem Partie keil- 
artig zwischen die Gaumenfortsätze der Maxillaria einschieben. Sie 
liegen vorn annähernd horizontal und stossen daselbst ein kurzes 
Stück zusammen, weiter nach hinten aber divergiren sie und sind 
dachartig gegen einander geneigt. Eine kleine, von aufgeworfenen 
Kanten umgrenzte Oeffnung vorn am lateralen Rand der Vomeres be- 
zeichnet den Ort der Ausmündung des jACOBSON'schen Organs. Nach 
hinten werden die Pflugscharbeine durch zwei lange Fortsätze der 
Palatina begrenzt, die gleich den erstem aufwärts geneigt sind, während 
die eigentlichen Gaumenbeinkörper mehr eine flache Lage haben. 
Letztere sind vorn erheblich breiter als hinten und längs ihres late- 
ralen Rands stark leistenartig verdickt. Ihr vorderer, weit ausge- 
buchteter Theil bildet die hintere Begrenzung der lang gestreckten und 
breiten innern Nasenöffhungen. Eine Berührung der Palatina unter 
sich findet nicht statt, vielmehr bleiben dieselben durch die nach hinten 
an Breite beträchtlich zunehmende Palatopterygoidspalte weit von ein- 
ander getrennt. Gleiches gilt auch von den Flügelbeinen , die sich 
mit einem breiten Fortsatz an die Transversa anlehnen und die Pala- 
tina medianwärts eine weite Strecke umsäumen. Leistenbildungen, wie 
bei den übrigen Agamiden, finden sich hier nicht. 

Von grossem Einfluss auf die Ausbildung der Mundweichtheile 
sind bei Uromastix die zahlreichen Drüsen, die sich in verschiedene, 
getrennte Lager sondern. Die Aussenlippe ist vollständig durchzogen 
von zusammengesetzten tubulösen Drüsen, welche in ein nur spärliches 
Bindegewebsstroma eingebettet liegen. Ihre kurzen Ausführungsgänge 
münden an der medialen Seite der Lippe aus, in dem zwischen dieser 
und dem Zahnbogen befindlichen Spalt. Auch die Innenlippe ist mit 
Drüsen versehen, und zwar liegt in ihrem vordem Drittel jederseits 
eine grosse traubenförmige Drüse, deren lange Ausführungsgänge, 
getrennt von einander, auf dem Zwischenkieferknopf ausmünden. Eine 
weitere grosse traubenförmige Drüse mit einem langen, nach hinten 
gerichteten Ausführungsgang liegt im vordem Theil des Vomerpolsters, 
während dessen hintere Partie ein mächtiges Lager tubulöser Drüsen 
enthält, die von einem zarten Bindegewebsgerüst zusammengehalten 
werden und am Grunde der bereits erwähnten wellenförmigen Quer- 
furchen ausmünden. Ganz ähnlichen Bau und eine ähnlich starke 
Anhäufung wie im Vomerpolster zeigen die Drüsen der Gaumenblätter; 
auch sie tragen in unverkennbarer Weise zur stärkern Ausbildung 
der von ihnen besetzten Weichtheile bei. Nicht minder deutlich tritt 



— 14 — 

dies hervor bei einer weitem Gruppe von Drüsen, die sich längs des 
medialen Rands der beiden Hälften des Palatopterygoidfelds hin- 
ziehen und kurz hinter der Nasengangscheide auf dem medianen Längs- 
wulste in einander übergehen. Es sind zusammengesetzte tubulöse Drüsen, 
welche ihre kurzen Ausführungsgänge fast vertical nach unten senden. 

An denjenigen Stellen der Munddecke, wo weder Knochen noch 
Drüsen zur stärkern Entfaltung der einzelnen Weichgebilde beigetragen 
haben, bestehen die letztern im Wesentlichen aus Bindegewebe und 
Epithel. Vorwiegend ist dies der Fall bei den hintern Partien der 
Innenlippe und dem drüsenfreien Theil des Palatopterygoidfelds. 

Von erheblich geringerem Einfluss auf die Gaumenbildung als die 
vorbenannten Factoren ist ein Knorpel, der in den Gaumenblättern 
auftritt. Seinen Ausgang nimmt derselbe in sämmtlichen von mir be- 
obachteten Fällen von der Knorpelkapsel des JAcoBSON'schen Organs, 
indem er entweder hakenförmig aus dem Boden derselben oder als 
ein nach hinten gerichteter Fortsatz der Seitenwand jener Kapsel ent- 
springt. Ich werde ihn deshalb kurz als „ Jacobson ' s c h e n Knorpel" 
bezeichnen. Nur in wenigen Familien erstreckt sich dieser Knorpel- 
fortsatz nach hinten bis gegen die Mitte der innern Nasenöffnungen 
und darüber hinaus; er endigt gewöhnlich in einer Spitze, seltener 
gabelförmig. Bei Cahtes ist der jACOBSON'sche Knorpel schmal und 
kurz, so dass er medialwärts den Gaumenfortsatz der Maxillare kaum 
überragt und nach hinten nicht einmal bis an den vordem Rand der 
innern Nasenöffnungen reicht; bei TJromastix hingegen ist er viel 
breiter und reicht auch bedeutend weiter nach hinten. 

Iguanidae. 
Unter den Iguaniden zeigt JPhrynosoma comutum den ein- 
fachsten Bau der Munddecke. Dieselbe ist seitlich und vorn von 
dicken Lippen umsäumt, entbehrt aber, in Folge äusserst schwach 
entwickelter Kaumuskeln, eines deutlichen Abschlusses nach hinten, 
wie wir solchen bei den andern Eidechsen vorfinden. Das an der 
vordem Munddecke gelegene Vomerpolster trägt in seiner ganzen 
Länge die spateiförmig gestaltete Vomerleiste. Es zerfällt in zwei 
annähernd ovale Abschnitte, von denen der vordere eine glatte, der 
hintere eine gefurchte Unterfläche besitzt. Die Nasengaumenspalten 
zeigen die gewöhnliche Form; ihr schmales vorderes Ende schneidet 
gegen die Innenlippe ein und dient der Ausmündung des JAcoBSON'schen 
Organs, während ihr erweiterter hinterer Abschnitt ein Stück der 
innern Vorhöhlen des Nasengangs freilegt. Die schwach ausgebildeten 



- 15 — 

Gaumenblätter reichen nach hinten kaum über das Vomerpolster hinaus. 
Sie sind mit ihrem gebuchteten medialen Rand ein wenig nach oben 
gerichtet und mit welligen Längsfurchen versehen; ihr abgerundeter 
hinterer Rand hebt sich frei von dem Palatopterygoidfeld ab. Dieses 
ist von bedeutender Ausdehnung und grosser Einförmigkeit, die ausser 
durch kleine unregelmässige Aufwulstungen nur durch die, auch bei 
allen Iguaniden vorhandene, Nasengangscheide und einen tiefen 
medianen Spalt unterbrochen wird. Das vordere Ende des letztern 
reicht bis nahe an das Vomerpolster, nach hinten dagegen endigt er 
erst kurz vor den kleinen kommaähnlichen EusTAcmschen Oefifnungen. 
Eine Sphenoidbucht, wie bei den übrigen Eidechsen, finden wir hier 
nicht. 

Vergleichen wir mit diesen Weichtheilen wieder die knöcherne 
Munddecke, so lässt sich eine Aehnlichkeit zwischen beiden kaum 
feststellen. Der schmale Zwischenkiefer ist, wie bei allen Iguaniden, 
unpaarig und ohne jede Spur einer Horizontallamelle. Er wird nach 
hinten von den sich berührenden schmalen Gaumenfortsätzen der 
Maxillaria begrenzt und dadurch von den beiden Vomers getrennt. 
Diese legen sich in ihrer vordem Partie eine kurze Strecke weit an 
einander, während sie hinten stark divergiren. Jeder von ihnen zer- 
fällt in einen schmalen vordem und einen breiten hintern Theil, dessen 
Ränder leistenartig verdickt sind. — Die innern Nasenöffnungen bilden 
zwei längliche Ovale, welche der knöchernen Munddecke fast quer 
vorlagern; sie laufen an ihrem hintern Ende spitz zu, besitzen da- 
gegen vorn eine beträchtliche Weite. Die Palatina sind ausserordent- 
lich breit und bilden mit den gleichfalls mächtigen Körpern der 
Flügelbeine den Haupttheil der knöchernen Munddecke. Beide Knochen- 
paare umschliessen mit ihren ziemlich steil aufwärts gerichteten me- 
dialen Rändern eine gewaltige Palatopterygoidspalte, die sich fast bis 
an das vordere Ende der Pflugscharbeine erstreckt. Gegen diese ent- 
senden die Palatina kurze, gedrungene Fortsätze, die durch eine breite, 
schräg gegen die Mittellinie verlaufende Furche von den eigentlichen 
Gaumenbeinkörpern deutlich abgesetzt sind. Lateral von den letztern 
liegen die sehr kleinen, annähernd dreieckigen Foramina suborbitalia. 
Dieselben treten, im Gegensatz zu den bisher betrachteten Eidechsen 
und den übrigen Iguaniden, mit den Flügelbeinen nicht mehr in Be- 
rührung und werden nach hinten durch die sehr breiten Transversa 
begrenzt. An der Berührungsstelle mit diesen zeigen die Pterygoidea 
starke, nach unten gerichtete Fortsätze, die mit einer knopfartigen 
Verdickung endigen. 



— 16 — 

Ein ziemlich umfangreiches Lager acinöser Drüsen zieht sich von 
der vordem Partie des Palatopterygoidfelds nach hinten zu beiden 
Seiten der Medianfurche hin und verursacht kleine, unregelmässige 
Aufwulstungen. Im Verein mit einer beträchtlichen Bindegewebslage 
rufen diese Drüsen an der hintern Munddecke ein dickes Polster her- 
vor, welches die Palatopterygoidspalte fast vollständig verschliesst, so 
dass von ihr nur jene mediane Furche übrig bleibt. Weitere Drüsen 
befinden sich an der Munddecke nicht; es betheiligen sich daher an 
der Bildung der übrigen Weichtheile nur noch das Bindegewebe und 
das Epithel. Ersteres kommt in diokern Lagen nur in den Lippen 
und dem Vomerpolster vor, während aus letzterem vorwiegend die 
Gaumenblätter gebildet sind. 

Nicht ganz so einförmig wie bei Phrynosoma, aber in den wesent- 
lichsten Punkten doch mit ihr übereinstimmend, ist die Bildung der 
weichen Munddecke von Sceloporus spinosus. Ihre vordere 
Partie nimmt zum grössten Theil das breite ovale Vomerpolster mit 
seiner spindelförmigen Vomerleiste ein. Die Gaumenblätter sind nur 
sehr schwach ausgebildet; sie sind kurz vor ihrem hintern Ende am 
breitesten und verstreichen nach hinten allmählich gegen die Innen- 
lippe bezw. gegen das Palatopterygoidfeld. Letzteres trägt vorn die 
sehr kurze Nasengangscheide , an welche sich nach hinten eine tiefe 
Medianfurche ansetzt, deren hintern Abschluss — im Gegensatz zu 
Phrynosoma — die breite aber flache Sphenoidbucht bildet. An der 
Grenze zwischen beiden hebt sich das Palatopterygoidfeld durch zwei, 
quer gegen die Innenlippe gerichtete Wülste scharf von dem hintersten 
Theil der Mundhöhle und den Kaumuskeln ab. 

Aehnliche Verhältnisse treffen wir auch bei Urocentron 
azureum an, nur dass sich hier die tiefe Medianfurche des Palato- 
pterygoidfelds nach hinten allmählich erweitert und ohne merkliche 
Abstufung in die Sphenoidbucht übergeht, während die hintere Be- 
grenzung der Munddecke nicht mehr durch besondere Querwülste, 
sondern direct durch die Kaumuskelwülste erfolgt. 

Den ausgeprägtesten Charakter unter den Iguaniden zeigt uns in 
Bezug auf den Bau der Munddecke Iguana tuberculata. Die 
Lippen sind in normaler Weise entwickelt; ebenso treffen wir einen 
kleinen Zwischenkieferknopf an. Das breite Vomerpolster ist im 
ganzen oval geformt, im einzelnen aber lassen sich an ihm deutlich 
zwei verschiedene Abschnitte erkennen, von denen der kleinere vordere 
die Vomerleiste trägt. Der hintere Rand dieses Abschnitts ist scharf 
ausgebuchtet und lateral in zwei lange Zipfel ausgezogen, welche die 



L, 



— 17 



grössere hintere Partie des Vomerpolsters zwischen sich fassen. Diese 
läuft nach hinten in eine stumpfe Spitze aus und wird von einer 
flachen medianen Furche durchzogen. Die Nasengaumenspalten sind 
schwach sichelförmig gekrümmt und von massiger Breite. Ihr vorderes 
Ende schneidet fast rechtwinklig gegen die Innenlippe ein; es ist 
von glatten, aufgeworfenen Rändern eingefasst und bezeichnet die 
Ausinündungsstelle des JAcoBSON'schen Organs. Von den innern 
Vorhöhlen des Nasengangs ist nur ein kleines Stück zu er- 
kennen, den übrigen Theil derselben verdecken die Gaumenblätter. 
Diese sind verhältnissmässig schmal und haben eine gefurchte Unter- 
fläche. Sie erstrecken sich nach hinten nur ein wenig weiter als das 
Vomerpolster und heben sich daselbst mit ihrem abgerundeten Rand 
frei von dem Palatopterygoidfeld ab. Durchzogen wird das letztere 
von zwei schwach S-förmig gekrümmten Leisten, welche mit einander 
eine lyraähnliche Figur bilden und gegen ihr hinteres Ende zahlreiche 
Pterygoidzähne tragen. Das von diesen Leisten umschlossene Mittel- 
feld trägt vorn die kurze, aber breite Nasengangscheide, während von 
hinten her die Sphenoidbucht mit einem schmalen Spalt in dasselbe 
einschneidet. 

Die knöcherne Munddecke weicht von derjenigen der bisher be- 
trachteten Eidechsen zunächst dadurch wesentlich ab, dass das Zwischen- 
kieferbein einen wohl entwickelten Processus intermaxillaris besitzt, 
dessen zwei seitliche Blätter mit ihrem medialen Rand scharf nach 
unten umgerollt und keilartig zwischen die Gaumenfortsätze der 
Maxillaria eingeschoben sind. Letztere berühren sich in der Mittel- 
linie nicht ; sie sind im Ganzen sehr schmal und nur an ihrem voräern 
Ende etwas verbreitert. Ihr medialer Rand ist daselbst ebenfalls nach 
unten umgebogen und längs einer kurzen Strecke den Pflugscharbeinen 
angelagert. Diese bilden zwei breite, grosse Knochenblätter, die median- 
wärts fast in ihrer ganzen Länge zusammenstossen und eine tiefe 
Furche zwischen sich einschliessen. Nur an ihrem hintern Ende 
divergiren die Vomeres ein wenig, vorn dagegen lassen sie einen kurzen 
medianen Spalt frei, der sich an eine runde Oeflhung des Zwischen- 
kieferfortsatzes anschliesst und mit dieser zusammen eine Lücke bildet, 
welche den sonst knöchernen Verschluss des darüber gelegenen Nasen- 
gangs nach unten hin durchbricht. Bedeckt wird diese Lücke in den 
Weichtheilen ausser von dem Nasenknorpel noch durch die denselben 
überziehenden Schleimhäute, deren stärkste Herabsenkung die Vomer- 
leiste repräsentirt. Lateral trägt jedes Pflugscharbein ausser einer 
kleinen Einkerbung für die Ausmündung des JAcoBSON'schen Organs 

2 



— 18 - 

noch eine tiefe Rinne für die Einmündung des Thränennasengangs in 
die Mundhöhle. Der mediale Rand dieser Rinne ist kammartig er- 
haben; er setzt sich nach vorn als eine flache Leiste fort und ver- 
streicht nach hinten allmählich längs des lateralen Vomerrands. Die 
innern Nasenöffnungen erscheinen als zwei gewaltige Spalten, welche 
schwach sichelförmig nach aussen gebogen sind und tief in den vordem 
Theil der Palatina einschneiden. In Folge dessen entsenden die letztern 
je zwei breite Fortsätze nach vorn, von denen sich die medialen an 
die Vomeres, die lateralen an die Maxillaria anlegen. Zwischen sich 
fassen diese beiden Fortsätze jedes Gaumenbeins noch eine breite 
Rinne, die gegen die eigentlichen Körper der Palatina scharf abge- 
setzt ist und sich nach hinten etwas abflacht. Der mediale Rand 
dieser Rinne bildet eine breite, niedrige Knochenleiste, welche von den 
Vomeres bis auf die Flügelbeine reicht, wo sie gleichsam den Sockel 
für die Pterygoidzähne liefert. Eine relativ schmale, bis an die 
Vomeres reichende Palatopterygoidspalte trennt sowohl die Gaumen- 
ais auch die Flügelbeine von einander. 

Zahlreiche Drüsen tragen zur Ausbildung der Mundweich theile 
oei. Die Aussenlippe wird in ihrer ganzen Ausdehnung von alveolären 
Drüsen durchzogen, deren kurze Ausführungsgänge theils an der Unter- 
seite der Lippe, theils in den zwischen dieser und dem Zahnbogen 
befindlichen Spalt ausmünden. Auch die Innenlippe enthält ein grosses 
Drüsenlager, das aber auf den Bereich der Maxillaria beschränkt 
bleibt, mithin aus zwei getrennten Gruppen besteht. Die einzelnen 
Drüsen sind acinös und haben weite, nach unten gerichtete Aus- 
führungsgänge. Sie bilden nur eine einzige Schicht, liegen deutlich 
von einander getrennt und senken sich gleichsam in das mächtige 
Bindegewebe ihrer Unterlage ein. Gleichfalls acinosen Bau zeigen die 
Drüsen, welche den hintern Abschnitt des Vomerpolsters einnehmen 
und mit ihren kurzen Ausführungsgängen fast senkrecht nach unten 
gerichtet sind. Sie häufen sich besonders stark an gegen das hintere 
Ende der Nasengaumenspalten und verschwinden erst allmählich auf 
der Nasengangscheide. Eine weitere Gruppe acinöser Drüsen über- 
zieht die hintern Theile der zahntragenden Leisten des Palatopterygoid- 
felds, während dessen übrige Partien drüsenfrei bleiben. Für diese 
bildet fast ausschliesslich das Epithel den Ueberzug der dazu ge- 
hörigen Knochen, dagegen betheiligt sich bei den Gaumenblättern 
ausser dem Epithel auch noch eine massig dicke Bindegewebsschicht 
an deren Ausbildung. In weit stärkern Lagen treffen wir aber das 



— 19 — 

Bindegewebe in der Innenlippe und dem vordem Theil des Vomer- 
polsters an. 

Der jACOBSON'sche Knorpel ist bei Iguana nur äusserst schwach 
entwickelt und fast ganz ohne Einfluss auf die Gaumenblätter. Wesent- 
lich breiter ist derselbe bei Phrynosoma, wo er mit seinem freien 
Rand medianwärts über den Horizontalfortsatz des Maxillare hinweg- 
ragt; doch endigt er auch hier bereits vor dem vordem Rand der 
innern Nasenöffnungen. 

Zwischen dieser charakteristischen Ausbildung der Munddecke von 
Iguana tuberculata und den früher betrachteten einfachem Formen 
der Iguaniden bieten uns JPolychrus marmoratus und Cteno- 
saura acanthura gewisse Uebergangsstufen. Bei der letztern 
Species stimmt die Munddecke in ihrem Bau fast vollkommen mit 
Iguana überein und weist nur ganz unerhebliche Abweichungen von 
dieser auf. Auch Polychrus nähert sich im Ganzen der Iguana-Form, 
zeigt aber andrerseits eine gewisse Aehnlichkeit mit Urocentron, von 
dem er sich jedoch in so fern wesentlich unterscheidet, als bei Poly- 
chrus die langen Leisten des Palatopterygoidfelds und ein deutlicher 
Processus intermaxillaris vorhanden sind, während diese Gebilde bei 
Urocentron fehlen. 

An der Munddecke von Metopoceros eornutus L ) sind die 
einzelnen Partien verhältnissmässig weit mehr in die Länge gezogen 
als bei Iguana, zeigen aber trotzdem deren Typus in nicht zu ver- 
kennender Weise. Der breite Zwischenkieferknopf grenzt mit seinem x 
hintern Rand direct an das mächtige Vomerpolster, das sich in ganz 
entsprechender W'eise wie bei Iguana in zwei scharf unterschiedene 
Abschnitte sondert. Von den lang gestreckten Nasengaumenspalten ist 
nur der vorderste Theil sehr schmal und hakenförmig nach aussen 
umgebogen; ihr hinteres Ende dagegen hat eine beträchtliche Weite. 
Relativ schmal und gleichfalls lang gestreckt sind die Gaumenblätter, 
die an ihrer Unterfläche zahlreiche Furchen tragen; nur der lippen- 
artig aufgeworfene mediale Rand bleibt von diesen frei. Lateral und 
vorn sind die Gaumenblätter in deutlicher W^eise von der Innenlippe 
abgesetzt, nach hinten dagegen verstreichen sie kurz vor dem äussersten 
Ende der Nasengaumenspalten ziemlich plötzlich gegen das Palato- 
pterygoidfeld. Dieses trägt in seiner vordem Hälfte lateral zwei tiefe 



1) Von dieser Art hat mir nur ein Kopf vorgelegen, dem die Haut 
abgezogen war. 

2* 



- 20 - 

FurcheD, die von der Mundhöhle zum Nasengang hinaufführen und 
ein langes Mittelstück zwischen sich fassen. Letzteres grenzt vorn 
au das Vomerpolster und trägt die lang gestreckte Nasengangscheide, 
die sich als ein breiter, flacher Kamm nach hinten bis an die Sphenoid- 
bucht erstreckt. Lateral von dieser erhebt sich auf dem Palato- 
pterygoidfeld jederseits eine kräftige, zahntragende Leiste, deren hintern 
Abschluss die mächtigen Kaumuskelwülste bilden. 

Teiidae. 

Als Repräsentanten der Teiiden habe ich Ameiva vulgaris 
und Tupinambis teguixin untersucht. Bei beiden Gattungen ist 
die Aussenlippe in gewöhnlicher Weise entwickelt, dagegen weicht die 
Innenlippe in so fern ein wenig von der allgemeinen Form ab, als sie 
sich jederseits in zwei ungleich grosse Abschnitte sondert, deren hin- 
terer die Lippenfalte trägt, während der vordere sich zu einem starken 
Wulst verdickt. Bei Ameiva grenzt dieser lateral an die keilförmige 
Vomerleiste und den vordersten Theil des relativ grossen Vomer- 
polsters. Letzteres ist äusserst lang gestreckt, so dass sein spitz aus- 
laufendes hinteres Ende noch ein wenig über die hintersten Maxillar- 
zähne hinausreicht. Von unten gesehen, hat es annähernd die Gestalt 
eines breiten Kiels, der in seinem vordem Drittel zahlreiche, schräg 
gegen die Mittellinie gerichtete Furchen trägt. An seinem vordem 
Ende zeigt das Vomerpolster jederseits einen engen, sichelförmigen 
Schlitz, dessen medialer Rand lippenartig aufgeworfen erscheint, wäh- 
rend der laterale durch jenen Wulst der Innenlippe gebildet wird. 
Durch diese Spalten münden die JACOBSON'schen Organe aus. Jede 
dieser Oeffnungen setzt sich nach hinten als eine seichte Furche fort, 
die zu den Nasengaumenspalten hinführt; sie treten mit diesen selbst 
aber nicht in Verbindung, sondern bleiben von ihnen durch eine breite 
Gewebsbrücke getrennt. Die Nasengaumenspalten sind im Ganzen 
sehr eng und haben einen von oben nach unten schräg gegen die 
Mittellinie gerichteten Verlauf. Nur ihr hinterer Abschnitt ist mächtig 
erweitert, so dass ein grosses Stück von den innern Vorhöhlen des 
Nasengangs sichtbar bleibt. Die Gaumenblätter sind sehr wenig aus- 
gebildet und erheblich kürzer als das Vomerpolster, dem sie mit 
ihrem verdickten medialen Rand aufliegen. Sie reichen nach hinten 
ungefähr bis an die Mitte der Lippenfalte, während sie vorn an der 
Grenzfurche der beiden Innenlippenwülste endigen. Nur einen ver- 
hältnissmässig kleinen Theil von der laug gestreckten Munddecke nimmt 
das Palatopterygoidfeld ein. Dasselbe wird der Länge nach von der 



u 



— 21 — 

breiten Sphenoidbucht durchschnitten und zeigt an den medialen 
Rändern seiner beiden Hälften eine schwache Leistenbildung mit einer 
kleinen, knopfartigen Auftreibung in deren Mitte. 

An der knöchernen Munddecke finden wir nur sehr schmale 
Gaumenfortsätze der Maxillaria, die hinter dem unpaarigen Zwischen- 
kieferbein zusammenstossen und dieses dadurch von den beiden Vo- 
meres trennen. Letztere bilden lang gestreckte Knochenblätter, die 
sich in ihrer ganzen Länge an einander legen. Der laterale Rand 
jedes Blattes ist stark ausgebuchtet und für den Austritt des Jacob- 
soN'schen Organs vorn mit einer kleinen Einkerbung versehen, deren 
Rand eine dünne Knochenleiste säumt. Nach hinten schieben sich die 
Pflugscharbeine keilartig zwischen die Palatina ein. Diese sind ver- 
hältnissmässig schmal und besitzen lateral wie medial stark nach unten 
umgebogene Ränder, so dass ihre vordere Partie eine tiefe Rinne 
bildet, die von der hintern Munddecke allmählich zu den innern Nasen- 
öffnungen empor führt. Jede dieser Oeffnungen erscheint als eine 
breite, längliche Spalte, die nach vorn spitz zuläuft und an der Aus- 
mündungsstelle des jACOBSON'schen Organs endigt. Eine Berührung 
der Palatina findet nur in ihrer vordem Hälfte statt, wobei sie eine 
tiefe Furche zwischen sich fassen ; weiter nach hinten trennen sie sich 
und schliessen mit den Flügelbeinen die lang gestreckte, schmale Palato- 
pterygoidspalte ein. Abweichend von den bisher betrachteten Ei- 
dechsen ist hier das Verhalten der Transversa, in so fern dieselben 
längs des medialen Rands der Maxillaria einen breiten Fortsatz nach 
vorn entsenden und dadurch mit den Palatina in Berührung treten. 
Auf diese Weise werden die Maxillaria von der Umgrenzung der 
Foramina suborbitalia gänzlich ausgeschlossen, so dass hieran nur die 
Palatina, Pterygoidea und Transversa Theil nehmen. 

An Drüsen zeigt die Munddecke von Ameiva zwei grössere Lager, 
von denen das eine den maxillaren Theil der Innenlippe, das andere 
die hintern Partien des Vomerpolsters durchzieht. Die Drüsen der 
Iunenlippe bilden weite Tubuli; sie liegen in ein dickes Bindegewebe 
eingebettet und besitzen lange, schräg nach innen gerichtete Aus- 
führungsgänge. Das andere Drüsenlager erstreckt sich über die 
hintern zwei Drittel des Vomerpolsters und zwar von der Stelle an, 
wo die oben erwähnten Furchen endigen. Die acinösen Drüsen werden 
durch ein kräftiges Bindegewebsstroma zusammengehalten und liegen 
fast ausschliesslich dem medialen Theil der Pflugscharbeine auf; sie 
verlieren sich erst allmählich gegen das hintere Ende des Vomer- 
polsters. 



- 22 — 

Den Einfluss beider Drüsengruppen auf die kräftigere Entwick- 
lung der von ihnen durchzogenen Weichtheile erkennen wir aus den 
Schnittpräparaten aufs deutlichste, in so fern die drüsenfreien Partien 
der Munddecke eine nur massige Stärke erlangen. An ihrer Aus- 
bildung betheiligen sich wiederum nur das Bindegewebe und das 
Epithel ; letzteres überwiegt besonders in den Gaumenblättern und auf 
dem Palatopterygoidfeld. Der jACOBSON'sche Knorpel ist auch hier 
nicht sehr breit. Er überragt medianwärts die Gaumenfortsätze der 
Maxillaria nur ein wenig und endigt hinten schon eine Strecke weit 
vor dem vordem Ende der innern Nasenöffnungen. Seine Einwirkung 
auf die Gaumenblätter ist daher bedeutungslos. 

Analoge Verhältnisse wie bei Ameiva bestehen auch bei Tupi- 
nambis; ich kann mich daher auf die Hervorhebung einzelner Ab- 
weichungen beschränken. Die Lippenfalte von Tupinambis ist relativ 
weit schwächer ausgebildet als bei Ameiva, und auch der vordere 
Innenlippen wulst zeigt nicht die scharfe Ausprägung wie dort. Statt 
dessen ist die kurze Vomerleiste gegen ihr hinteres Ende jederseits 
von einem kleinen, bogenförmigen Kamm begleitet, der die Ausmündungs- 
stellen des jAcoBSON'schen Organs lateral begrenzt. Auch hier sind 
diese durch eine breite Gewebsbrücke von den engen Nasengaumen- 
spalten getrennt. Letztere zeigen in ihrem vordem Abschnitt eine 
kleine Erweiterung, die von einem winzigen, zungenförmigen Läppchen 
der Gaumenblätter verdeckt wird und der Ausmündungsstelle des 
Thränennasengangs anderer Eidechsen entspricht. Ob aber bei Tupi- 
nambis gerade an dieser Stelle der Austritt jenes Canals erfolgt, ver- 
mochte ich nicht näher festzustellen , da ich Schnittpräparate nicht 
anfertigen konnte. — Die Gaumenblätter besitzen, obwohl die übrigen 
Theile der weichen Munddecke hier verhältnissmässig weit gedrungener 
gebaut sind als bei Ameiva, eine bedeutend kräftigere Ausbildung als 
dort, und zwar gilt dies von ihrer Breite wie Länge. Mit ihrem 
vordem Abschnitt liegen sie dem lang gestreckten Vomerpolster auf, 
übertreffen dasselbe aber bedeutend an Länge und endigen nach hinten 
erst auf dem Palatopterygoidfeld an der vordem Grenze zweier flachen 
Gruben, die den Foramina suborbitalia der knöchernen Munddecke 
entsprechen. Eine Leistenbildung längs der Berandung der Sphenoid- 
bucht ist hier nicht zu erkennen, dagegen treten die beiden knopf- 
artigen Polster zu beiden Seiten der letztern besonders scharf hervor. 

Fast noch grösser als in den Weichtheilen ist die Ueberein- 
stimmung zwischen Tupinambis und der vorigen Form in der knöchernen 
Munddecke. Die Gaurn enfortsätze der Maxillaria erlangen hier jedoch 



— 23 - 

besonders in ihrem vordem Drittel eine weit grössere Breite, und 
auch der sich an dieselben anlehnende laterale Rand der Palatina 
zeigt eine viel schärfere Ausprägung, so dass er eine Art Gaumen- 
leiste bildet, die sich als eine nach hinten erstreckende Verlängerung 
der maxillaren Gaumenfortsätze auf die Palatina hinzieht. Die Palato- 
pterygoidspalte ist bedeutend erweitert und erstreckt sich nach vorn 
bis zwischen die Vomeres, dagegen stellt der mit den Palatina in 
Berührung tretende Fortsatz der Transversa nur eine dünne Knochen- 
spange dar. In allen übrigen Stücken sind die Verhältnisse im Bau der 
Munddecke bei beiden Vertretern der Teiidae annähernd dieselben. 

Varanidae. 

Die Familie der Varanidae ist bei meinen Untersuchungen durch 
Varanus griseus, V. salvator, V. indicus und V, benga- 
lensis vertreten, doch habe ich wegen der grossen Uebereinstimmung 
sämmtlicher Species im Munddeckenbau nur von der zuerst genannten 
Art Schnittpräparate hergestellt. 

Bei V. griseus ist die Lippenfalte sehr breit und im ganzen Be- 
reich der Maxiilaria durch eine tiefe Furche scharf von der eigent- 
lichen Innenlippe abgesetzt. Diese besitzt eine nur massige Dicke 
und trägt an ihrem untern Rand zahlreiche kleine Einkerbungen, so 
dass sie dadurch perlschnurartig gesäumt erscheint. Der breite 
Zwischenkieferknopf ist vorn und lateral von den benachbarten Weich- 
theilen deutlich durch eine Furche getrennt, nach hinten dagegen führt 
er ohne merkliche Abstufung zur Vomerleiste und damit zugleich zum 
Vomerpolster hinüber. Letzteres gleicht im Ganzen einem hohen, 
gleichschenkligen Dreieck, das durch eine kleine Querleiste in zwei 
ungleich grosse Abschnitte zerlegt wird. Das kleinere vordere Stück 
trägt einen kräftigen medianen Wulst, der es seiner ganzen Länge 
nach halbirt, während der grössere hintere Abschnitt ausser einem 
kleinen medianen Zäpfchen noch warzen ähnliche Auftreibungen zeigt, 
die sich nach hinten jederseits in einem Bogen bis an die Lippenfalte 
erstrecken. Lateral wird das Vomerpolster von leistenartig verdickten 
Rändern eingefasst ; dieselben biegen an ihrem hintern Ende fast quer 
nach aussen um und verschwinden schliesslich unter der Lippenfalte. 
Abweichend von allen übrigen Eidechsen und in so fern auffallend ist 
das Verhalten der Communicationsöffnungen zwischen dem Nasengang 
und der Mundhöhle, indem an Stelle der bisher betrachteten, fast durch- 
weg engen Nasengaumenspalten sich hier jederseits des Vomerpolsters 
ein lang gestrecktes, weites Loch befindet. Durch dieses überblickt 



— 24 — 

man nicht nur die iunern Vorhöhlen des Nasengangs in ihrer ganzen 
Ausdehnung, sondern man gewahrt in deren oberm Theil auch noch 
ein Stück der Nasenmuschel selbst. Ihren äussern Grund findet diese 
abweichende Erscheinung in dem eigenthümlichen Verhalten der 
Gaumenblätter, in so fern dieselben an der Begrenzung jener Oeff- 
nungen keinen Theil haben. Die Gaumenblätter besitzen nämlich nur 
in dem vordem Bereich der Munddecke eine nennenswerthe Breite, 
sind dabei aber eigenartig modificirt. Ihr vorderer, mit zahlreichen 
Querfurchen versehener Abschnitt legt sich medianwärts dem Zwischen- 
kieferknopf an ; sobald er diesen verlässt, gabelt sich sein freier Rand 
und umschliesst ein kleines Feld mit 5—6 schmalen, schräg gegen die 
Innenlippe gerichteten Furchen. Kurz hinter diesen liegen die Aus- 
mündungsstellen des JAcoBSON'schen Organs, jede als ein isolirter 
sichelförmiger Schlitz, dessen lippenartig aufgeworfene Ränder die 
Gaumenblätter bilden. Von hier ab wendet sich jedes Gaumenblatt 
in einem ziemlich kurzen Bogen gegen die Lippenfalte, unter der es 
längs der lateralen Wand der betreffenden innern Vorhöhle des Nasen- 
gangs allmählich ganz verstreicht. Den grössten Theil der Munddecke 
umfasst das Palatopterygoidfeld mit der breiten Sphenoidbucht, deren 
gegen die Mittellinie vorgewölbte Seitenwände einen Theil des Bodens 
der Augenhöhlen bilden. 

Aehnliche Besonderheiten wie in den Weichtheilen zeigt der Mund- 
deckenbau von V. griseus auch im Knochen. Die langen, fast parallel 
zu einander gerichteten Maxillaria sind in ihrer vordem Hälfte median- 
wärts zu breiten, dünnen Knochenplatten ausgezogen, so dass man bei 
oberflächlicher Betrachtung den Eindruck gewinnt, als besässen sie 
dort wohl entwickelte Gaumenfortsäte. Diese fehlen jedoch vollständig, 
und was event. irrthümlich dafür gehalten werden könnte, sind die 
Maxillaria selbst, die sich mit ihren wellenförmig gebuchteten und ein 
wenig nach unten umgerollten Rändern dem breiten Zwischenkiefer 
und den Pflugscharbeinen anlegen. Jener ist unpaarig. Er besitzt 
einen langen Processus vomero-maxillaris, der an seiner Unterfläche 
eine kräftige Spina trägt und nach hinten in zwei seitlichen Zipfeln 
endigt. Zwischen diese schieben sich die beiden lang gestreckten Pflug- 
scharbeine keilartig ein. Dieselben stossen vorn eine Strecke weit 
zusammen und bilden dadurch eine niedrige Crista, in ihrer hintern 
Hälfte aber divergiren sie und endigen erst in gleicher Linie mit den 
hintersten Maxillarzähnen. Jedes Vomerblatt bildet eine lange Knochen- 
spange, deren Ränder steil aufwärts gerollt sind, so dass ihre obere 
Fläche grössten Theils rinnenförmig gestaltet ist, während die untere 



— 25 — 

Fläche, mit Ausnahme des vordem Drittels, convex gebogen erscheint. 
Letzteres trägt lateral für die Ausmündung des JACOBSON'schen Or- 
gans einen weiten Ausschnitt, längs dessen aufgeworfener Berandung 
sich medianwärts eine starke Knochenleiste derart hinzieht, dass 
zwischen beiden eine breite Kinne für die Einmündung des Thränen- 
naseucanals in die Mundhöhle frei bleibt. Nach hinten verliert sich 
diese Rinne allmählich gegen das vordere Ende der innern Nasen- 
öffnungen. Abweichend von den übrigen Eidechsen liegen diese von 
den Ausmündungsstellen des JACOBSON'schen Organs nicht nur in den 
Weichtheilen deutlich getrennt, wie bei den Teiidae, sondern es be- 
steht hier zwischen beiden auch noch eine breite Knochenbrücke, die 
von den Vomeres und den Maxillaria gebildet wird. Letztere nehmen 
ungefähr von ihrer Mitte an erheblich an Breite ab, wodurch die lang 
gestreckten innern Nasenöffnungen eine beträchtliche Grösse erlangen. 
Den hintern Abschluss von diesen bilden die schmalen und auffallend 
kurzen Palatina. Dieselben grenzen nach hinten einerseits an die 
langen Pterygoidea, andrerseits an die Transversa, mit denen zusammen 
sie die grossen Foramina suborbitalia umschliessen. Eine gewaltige 
Palatopterygoidspalte trennt sowohl die Gaumen- wie die Flügelbeine 
von einander. Noch zwei weitere Oeffnungen an der knöchernen Mund- 
decke verdienen hier kurz erwähnt zu werden, da sie ausser bei den 
Varaniden nur noch bei den Anguiden auftreten und in so fern als 
besondere Eigenthümlichkeit im Munddeckenbau dieser beiden Eidechsen- 
familien gelten müssen. Es sind dies zwei massig grosse Löcher, die 
scheinbar nur grösseren Gefässen zum Durchtritt dienen; sie werden 
vom Zwischenkiefer und den Maxillaria umgrenzt und mögen als 
Foramina intermaxillaria bezeichnet werden. 

Die Betheiligung von Drüsen an der Ausbildung der Mundweich- 
theile ist nicht sehr ausgedehnt, in so fern sich nur zwei selbständige 
Lager derselben vorfinden. Von diesen erstreckt sich das eine längs 
des ganzen Zahnbogens durch die Innenlippe, während das andere das 
Vomerpolster und den vordem Rand des Palatopterygoidfelds ein- 
nimmt, wo es die oben erwähnten warzenähnlichen Auftreibungen 
hervorruft. Die Drüsen beider Lager sind acinös und besitzen kurze, 
nach unten gerichtete Ausführungsgänge. Das sie umgebende Binde- 
gewebe zeigt eine nur massige Dicke, ist aber immerhin mächtiger 
als die Bindegewebslagen an andern Stellen der Munddecke. Ueber- 
haupt ist die Polsterung der knöchernen Munddecke relativ sehr dünn, 
so dass sie vielfach bis auf eine spärliche Bindegewebsschicht nur von 
dem Epithel hergestellt wird; besonders gilt dies von der Lippen- 



- 26 — 

falte, den Gaumenblättern und dem weitaus grössten Theil des Palato- 
pterygoidfelds. 

Grosse Uebereinstimmung mit V. griseus zeigt hinsichtlich des 
Baues der Munddecke V. bengahnsis. Die Lippenfalte erstreckt sich 
jedoch nicht bis in den Bereich des Zwischenkiefers, sondern ver- 
streicht bereits hinter demselben ziemlich plötzlich gegen die Innen- 
lippe. Die Vomerleiste ist ein wenig schmäler, und auch die Gaumen- 
blätter treten noch weniger hervor als dort. Besonders ihrem medialen 
Rand fehlt die scharfe Ausprägung, was auch von den Leisten und 
den warzenähnlichen Gebilden des Vomerpolsters gilt. — Bei V. sal- 
vator treten die letztern wieder schärfer hervor ; ebenso zeigt das breite 
Palatopterygoidfeld ziemlich regelmässige Reihen von Drüsenanhäufungen. 
Die Lippenfalte dieser Species ist ausserordentlich breit und an der 
Unterseite mit zahlreichen Längsfurchen versehen. Sie zeigt ein ähn- 
liches Verhalten wie bei V. griseus, während die Vomerleiste und die 
Gaumenblätter mehr an V. bengahnsis erinnern. Das Vomerpolster 
trägt zwar kräftige Randleisten, entbehrt jedoch der medianen Wülste 
gänzlich. Gleiches gilt für V. indicus, dessen Mundweich theile gegen- 
über den complicirten Bildungen der andern Varaniden eine gewisse 
Einfachheit aufweisen. Die breite Lippenfalte ist weit nach aussen 
zurückgeschlagen und verstreicht vorn allmählich gegen den Zwischen- 
kieferknopf. Letzterer setzt sich aus zwei Theilen zusammen. Von 
diesen besteht der vordere Abschnitt aus einer doppelten knopfartigen 
Verdickung, der sich lateral je zwei bogenförmige Wülste anschliessen, 
während der hintere Abschnitt eine massig breite, keilförmige Platte 
bildet, deren verdickter Rand sich hinten von der kurzen Vomerleiste, 
lateral aber durch eine tiefe Furche von der vordem Partie der 
Gaumenblätter absetzt. Diese, wie auch die übrigen Stücke der Mund- 
decke, stimmen im Wesentlichen mit den entsprechenden Theilen der 
andern Varaniden überein, erscheinen jedoch in Folge ihrer glatten 
Unterfläche etwas einförmiger als dort. Die bei V. griseus ausführlich 
besprochene eigenthümliche Blosslegung der innern Vorhöhlen des 
Nasengangs findet sich übereinstimmend bei allen Varaniden wieder, 
obgleich bei den einzelnen Species die Lage der äussern Nasenötfnungen 
eine sehr verschiedene ist. Bei V. griseus liegen die letztern nämlich 
fast unmittelbar vor den Augen, bei V. salvator und V. indicus an 
der Schnauzenspitze und bei V. bengalensis ungefähr in der Mitte 
zwischen beiden Stellungen; trotz dieser äussern Abweichungen ist 
aber das Verhalten der innern Vorhöhlen des Nasengaugs in Bezug 
auf den Bau der Munddecke bei allen Species das gleiche. 



— 27 — 

Anguidae. 

Die stark gewölbte Munddecke von Anguis fragilis trägt 
seitlich eine auffallend breite Lippenfalte, welche im Bereich des 
Zwischenkiefers ziemlich plötzlich verstreicht. Das Vomerpolster nimmt 
fast die ganze vordere Partie der Munddecke ein. Es zerfällt in einen 
schmalen vordem und einen breiten hintern Theil; jener trägt die 
kurze Vomerleiste, dieser hingegen wird durch eine breite mediane 
Rinne in zwei Felder getheilt, deren Umrandung leistenartig verdickt 
ist. Die Nasengaumenspalten sind schmal und S-förmig gekrümmt; 
ihr vorderes, an der Grenze der beiden Abschnitte des Vomerpolsters 
gelegenes Ende dient der Ausmündung des JACOBSON'schen Organs. 
Die nur schwach entwickelten Gaumenblätter ragen nach hinten kaum 
über das Vomerpolster hinaus, mit dem sie vorn verwachsen. Ihre 
untere Fläche ist mit zahlreichen Längsfurchen versehen, die dem 
doppelt gebuchteten medialen Rand parallel laufen. Der hintere Rand 
der Gaurn enblätter bleibt frei und hebt sich deutlich von dem Palato- 
pterygoidfeld ab. Dieses erreicht eine relativ bedeutende Grösse, doch 
nimmt seinen Haupttheil die Sphenoidbucht ein, die an ihrem Grunde 
zahlreiche Falten aufweist. Die lateralen Partien des Palatopterygoid- 
felds erscheinen als breite, schwach gekrümmte Längswülste, welche 
sich nach hinten allmählich verjüngen und mit den massig starken 
Kaumuskeln endigen. 

An der knöchernen Munddecke zeigt der verhältnissmässig breite 
Zwischenkiefer in der Mitte seines zahntragenden Bogens einen langen 
Processus vomero-maxillaris, der sich nach hinten keilartig zwischen 
die Pflugscharbeine und Gaumenfortsätze der Maxillaria einfügt. Letz- 
tere sind im Ganzen gut ausgebildet und vorn sowie bei ihrer An- 
lehnung an die Gaumenbeine zu einer kleinen, verspringenden Knochen- 
platte verbreitert. Sie besitzen an ihrem vordem Ende eine kleine 
Ausbuchtung und legen sich dem Zwischenkieferbein bezw. dessen 
Fortsatz derart an, dass jederseits ein deutlich wahrnembares Foramen 
intermaxillare entsteht, welches grossen Gefässen zum Durchtritt dient. 
An der Umgrenzung dieser Oeftnungen betheiligen sich die Vomeres 
nicht. Diese gleichen zwei länglichen Knochenblättchen, die nur vorn 
ein kurzes Stück an einander stossen, nach hinten aber divergiren. 
Der mediale Rand jedes dieser Blättchen ist leistenartig verdickt und 
verläuft annähernd sagittal, während der dünne laterale Rand nach 
oben gewendet ist und vorn eine grosse Einbuchtung trägt, welche die 
Ausmüudungsstclle des JACOBSON'schen Organs aufnimmt. Die innern 



— 28 - 

Nasenöffnungen erscheinen als zwei breite, nach aussen convexe Spalten 
von massiger Länge, deren hintern Abschluss die Palatina bilden. An 
diesen sind die lateralen wie medialen Ränder vorn stark verdickt, wo- 
durch der vordere Theil jedes Gaumenbeins zu einer tiefen Rinne um- 
gebildet wird, die zu den innern Nasenöffnungen hin führt. Besonders 
der laterale Rand der Palatina ist zu einem kräftigen Knochenkamm 
entwickelt, der gleichsam die nach hinten gerichtete Verlängerung der 
Gaumenfortsätze der Maxillaria bildet. Eine Berührung der Palatina 
unter sich findet nicht statt, vielmehr werden sie, gleich den lang ge- 
streckten Flügelbeinen, durch die breite, bis zwischen die Vomeres 
reichende Palatopterygoidspalte weit von einander getrennt. Die 
Foramina suborbitalia sind auffallend gross; sie werden von den 
Maxillaria, Palatina und Transversa umschlossen, doch erfolgt eine Be- 
rührung zwischen den beiden letztern Knochenpaaren im Gegensatz 
zu den Teiidae und Varanidae hier nicht. 

Das Vorkommen von Munddeckendrüsen beschränkt sich nach 
meinen Befunden auf das Vomerpolster , dessen vorderer Abschnitt 
eine kleine Gruppe tubulöser Drüsen mit kurzen, nach unten ge- 
richteten Ausführungsgängen aufweist. Von einer paarigen Gaumen- 
drüse, welche Leydig auf dem Vomerpolster von Anguis gefunden zu 
haben glaubte und die er auch abbildete, finde ich ebenso wenig etwas 
wie Reichel ; ich kann vielmehr die hierauf bezüglichen Angaben des 
letztern im Wesentlichen bestätigen. 

Wenn trotz dieses Drüsenmangels die Polsterung der knöchernen 
Munddecke bei Anguis eine verhältnissmässig starke ist, so rührt dies 
von den bald mehr, bald weniger dicken Bindegewebslagen her, die 
sich in den einzelnen Weichtheilen vorfinden. Nur spärlich vorhanden 
ist das Bindegewebe auf der medialen und hintern Partie des Palato- 
pterygoidfelds, wo vornehmlich das Epithel die Bekleidung der Mund- 
höhle bildet. 

Unverkennbaren Einfluss auf den vordem Theil der Gaumen- 
blätter übt der jAcoBSON'sche Knorpel aus, der hier weit kräftiger 
entwickelt ist als bei der vorigen Form. Derselbe säumt nämlich nicht 
nur den Gaumenfortsatz des Maxillare, sondern legt sich medianwärts 
breit vor diesen und treibt die Gaumenblätter lippenartig vor sich 
her ; er endigt jedoch schon vor dem vordem Rand der innern Nasen- 
öffnungen. 

Bei Ophisaurus pallasi zeigt die Munddecke in den Weich- 
theilen und Knochen ganz analoge Verhältnisse wie bei Anguis, nur 
in etwas gestreckterer Form. Abweichend ist hier jedoch das Vor- 



— 29 — 

kommen zahlreicher kleiner Zähnchen, die sich vom hintern Theil des 
Palatopterygoidfelds zu beiden Seiten der Sphenoidbucht bis gegen die 
Mitte des Vomerpolsters hinziehen, wo sie fast ganz in den Weich- 
theilen versteckt liegen. Wie der macerirte Schädel zeigt, bilden diese 
Zähnchen drei gesonderte Gruppen, von denen je eine den Pterygoidea, 
den Palatina und den Vomeres angehört. 

Lacertidae. 

Die einzelnen Species der Familie der Lacertidae zeigen in ihrem 
Munddeckenbau eine dermaassen grosse Uebereinstimmung , dass ich 
mich bei der Anfertigung von Schnittpräparaten mit einer einzigen 
Art habe begnügen können. Mit Rücksicht auf das mir zur Verfügung 
stehende Material habe ich hierzu Lacerta ocellata gewählt; 
ausserdem habe ich noch L. viridis, L. agilis, L. muralis, 
L. vivipara und Eremias rubropunctatus in meine Unter- 
suchungen mit hineingezogen. 

Die eigentliche Innenlippe von Lacerta ocellata erlangt gegen ihr 
hinteres Ende eine beträchtliche Dicke und hebt sich von der breiten 
Lippenfalte durch eine schmale Furche ziemlich scharf ab. Sie trägt 
vorn einen massig dicken Zwischenkieferknopf, dessen nach hinten ge- 
richtete Fortsetzung die lang gestreckte Vomerleiste bildet. Diese 
endigt gabelförmig kurz vor dem hintern Rand des ebenfalls lang ge- 
streckten Vomerpolsters. Letzteres gleicht im Ganzen einem breiten 
Rücken, der nach unten kielartig zuläuft und in seiner hintern Partie 
zu einer annähernd quadratischen, horizontalen Platte abgeflacht ist. 
Von den Nasengaumenspalten ist nur der vordere Theil, der der Aus- 
mündung des JACOBSON'schen Organs dient, sichtbar; er ist sichel- 
förmig nach aussen gebogen und von lippenartig aufgeworfenen Rändern 
eingefasst. Der hintere Abschnitt jener Spalten liegt ganz aus dem 
Niveau der eigentlichen Munddecke verdrängt und zwar seitlich ober- 
halb der Gaumenblätter, von denen er vollständig verdeckt wird. 
Gleiches gilt von den innern Vorhöhlen des Nasengangs, dessen un- 
gefähre Lage eine breite und tiefe Grube jederseits des Vomerpolsters 
andeutet. Die Gaumenblätter sind breit und gut ausgebildet. Sie 
reichen nach hinten weit über das Vomerpolster hinaus und sind längs 
ihres verdickten medialen Rands wellig gebuchtet, so dass sie sich zu 
einer lyraähnlichen Figur an der Munddecke ergänzen. Ihre untere 
Fläche trägt zahlreiche Querfurchen sowie eine schmale Längsfalte, 
die sich vom vordem lateralen Rand in diagonaler Richtung nach 
hinten erstreckt und erst kurz vor dem Ende des medialen Rands 



- 30 - 

allmählich verstreicht. An ihren hintern Rändern sind die Gaumen- 
blätter mit den Weichtheilen des Palatopterygoidfelds fest verwachsen. 
Letzteres ist von beträchtlicher Grösse und wird durch die lang ge- 
streckte Sphenoidbucht und die vom Vomerpolster aus nach hinten 
sich erstreckende Nasengangscheide vollständig in zwei symmetrische 
Hälften zerlegt. Jede von diesen erscheint längs ihres medialen Rands 
leistenartig gesäumt und trägt unmittelbar vor den gewaltigen Kau- 
muskelwülsten eine ziemlich umfangreiche Gruppe kleiner Pterygoid- 
zähnchen. 

Wie in den Weichtheilen, so zeigt die Munddecke von Lacerta 
auch im Knochen gegenüber den früher betrachteten Formen einen 
Fortschritt in der Gaumenbildung. Die Maxillaria besitzen wohl ent- 
wickelte Gaumenfortsätze mit leistenartig verdickten und wellenförmig 
gebogenen Rändern. Dieselben tragen vorn je einen tiefen Ausschnitt, 
in welchen sich das nach hinten zu zwei Zipfeln ausgezogene Zwischen- 
kieferbein keilartig einschiebt. Eine Berührung dieser Gaumenfort- 
sätze findet nicht statt, vielmehr bleiben sie durch die breiten Vomeres 
von einander getrennt. Letztere stossen vorn ein kurzes Stück zu- 
sammen und bilden dadurch eine massig starke Knochenleiste, die in 
den ausgebuchteten hintern Rand des Zwischenkiefers vorragt; hinten 
dagegen divergiren sie ein wenig. Die ganze laterale Partie der Pflug- 
scharbeine ist ziemlich steil nach oben gegen die Maxillaria gerichtet 
und trägt vorn jederseits für die Mündung des JAcoBSON'schen Organs 
einen weiten Ausschnitt, dessen Rand etwas nach unten umgerollt ist. 
Medianwärts wird letzterer von einer dünnen Knochenleiste begleitet, 
so dass zwischen beiden eine schmale Rinne für den Austritt des 
Thränennasencanals entsteht, während jene Leisten eine tiefe Median- 
furche zwischen sich einschliessen. Die innern Nasenöffnungen liegen 
weit zur Seite gedrängt, fast ganz oberhalb des eigentlichen Niveaus 
der Munddecke, und werden zum grossen Theil durch die Gaumen- 
fortsätze der Maxillaria verdeckt. Jede von ihnen scheint bei einer 
Ansicht von unten aus zwei ovalen Löchern zu bestehen, die durch 
einen S-förmigen Spalt mit einander verbunden sind. Eine breite, 
sich allmählich abflachende Rinne erstreckt sich von ihnen aus bis an 
das hintere Ende der Palatina. Diese sind verhältnissmässig schmal, 
zeigen jedoch eine Anlage zur Bildung von Gaumenfortsätzen in deut- 
lichster Weise, in so fern ihr lateraler Rand zu einer dicken Gaumen- 
leiste umgeformt ist, die die nach hinten gerichtete Verlängerung der 
rnaxillaren Gaumenfortsätze darstellt. Medianwärts werden die Palatina 
eine grosse Strecke weit von den zahntragenden Flügelbeinen begrenzt 



— 31 - 

und bleiben wie diese durch die lang gestreckte, schmale Palato- 
pterygoidspalte von einander getrennt. Aehnlich wie bei den Teiidae, 
aber nicht in so ausgesprochenem Maasse wie dort, stossen auch hier 
die hintern Ränder der Palatina ausser mit den Flügelbeinen noch 
mit den Transversa zusammen, doch ist diese Berührung nur bei einer 
Betrachtung von oben durch die Augenhöhlen sichtbar. 

Drüsen kommen an der Munddecke von Lacerta ocellata nicht 
vor; auch ist der schmale und kurze JACOBSON'sche Knorpel für die 
Gaumenbildung ohne Bedeutung. Es fällt daher die bald mehr, bald 
weniger dicke Polsterung der Munddeckenknochen sowie die ver- 
schiedenartige Stärke der einzelnen Weichgebilde dem Epithel und 
Bindegewebe zu. Letzteres findet sich in dickern Lagen hauptsächlich 
im Vomerpolster und den Lippen vor; in den Gaumenblättern bildet 
es dagegen nur eine massig dicke Schicht, während die Bekleidung 
der Gaumen- und Flügelbeine fast ausschliesslich das Epithel liefert. 

Fast vollkommen übereinstimmend mit den soeben besprochenen 
Formen sind die Munddeckenverhältnisse bei L. agilis und L. viridis. 
Dagegen zeigen L. muralis und L. vivipara in so fern einen Fort- 
schritt, als bei ihnen die Gaumenblätter in ihren hintern Partien 
stärker ausgebildet sind und sich weiter auf das Palatopterygoidfeld 
erstrecken. Noch vollkommner ist dies der Fall bei Eremias rubro- 
punctatus, dessen Gaumenblätter eine bedeutende Länge erreichen und 
nach hinten dermaassen an Breite zunehmen, dass sie ohne merkliche 
Abstufung an den Rändern der Sphenoidbucht mit den Weichtheilen 
des Palatopterygoidfelds verwachsen. Hierdurch tritt die seitliche 
Verdrängung der innern Vorhöhlen des Nasengangs noch deutlicher 
hervor als bei den übrigen Lacertiden. Gegen ihr vorderes Ende be- 
sitzen die Gaumenblätter nur eine geringe Breite; in- Folge dessen 
bleibt die vordere Partie der Nasengaumenspalten, durch welche sich 
die Ausmündung des JACOBSON'schen Organs vollzieht, deutlich 
sichtbar. 

Der kräftigen Entwicklung des hintern Abschnitts der Gauraen- 
blätter entspricht an der knöchernen Munddecke eine stärkere Aus- 
bildung des lateralen Rands der Palatina, in so fern dieser nicht mehr 
eine einfache Knochenleiste darstellt, sondern durch hakenförmiges 
Umbiegen des untern Rands der letztern gegen die Medianlinie zu 
einem echten horizontalen Gaumenbeinfortsatz wird. Die Palatina 
selbst sind hinten sehr schmal ; sie berühren sich nur vorn eine Strecke 
weit, divergiren aber weiter nach hinten beträchtlich und schliessen 



— 32 — 

zusammen mit den schmalen Flügelbeinen eine mächtige Palato- 
pterygoidspalte ein. 

Zonuridae. 

An dem lang gestreckten Vomerpolster von Zonurus gviseus 
lassen sich drei deutlich von einander gesonderte Abschnitte unter- 
scheiden : vorn eine grosse, knopfartige Verdickung , in der Mitte ein 
längliches Oval mit zwei gegen das erste Stück convergirenden, schwach 
gekrümmten Wülsten und dahinter eine annähernd sechseckige Platte. 
Letztere ist durch einen medianen Spalt halbirt und von verdickten 
Rändern eingefasst. Die lang gestreckten Nasengaumenspalten sind 
mehrfach geknickt und schmal; nur ihr hinteres Ende erweitert sich 
in Folge einer Verjüngung des Vomerpolsters und legt dadurch ein 
Stück der innern Vorhöhlen des Nasengangs frei. Der der Aus- 
mündung des JACOBSON'schen Organs dienende vorderste Abschnitt 
dieser Spalten ist sehr schmal; er wird medianwärts von lippenartig 
aufgeworfenen Rändern gesäumt und umfasst sichelförmig den knopf- 
artigen Theil des Vomerpolsters. Unmittelbar hinter diesem, durch 
ein kleines, zungenförmiges Läppchen gekennzeichnet, liegt die Aus- 
mündungsstelle des Thränennasencanals. Von den Gaumenblättern ist 
besonders die hintere Hälfte gut ausgebildet, während ihre vordere 
Partie ziemlich plötzlich gegen die breite Innenlippe verstreicht. Sie 
sind längs ihres verdickten medialen Rands wellig gebuchtet und er- 
strecken sich nach hinten weit über das Vomerpolster hinaus, bis sie 
allmählich mit den Weich theilen des Palatopterygoidfelds verwachsen. 
Dieses wird auch hier seiner ganzen Länge nach von der breiten 
Sphenoidbucht durchschnitten , deren vordem Abschluss die kurze, 
längsgespaltene Nasengangscheide bildet. 

Die Gaumenfortsätze der Maxiilaria sind relativ schmal, aber 
sonst wohl entwickelt. Sie werden durch eine massig breite Furche 
deutlich von der Zahnreihe abgesetzt und legen sich vorn dem breiten 
Zwischenkieferbein bezw. dessen horizontalem Fortsatz an. Letzterer 
trägt unmittelbar hinter dem unpaarigen Schneidezahn eine niedrige 
Spina und zeigt an seinem hintern Rand eine weite Ausbuchtung, in 
welche sich die Vomeres keilartig einschieben. Im Ganzen betrachtet, 
bilden diese annähernd ein breites Oval, dessen laterale Ränder ziem- 
lich steil nach oben gerichtet und in ihrem vordem Drittel mit einem 
Ausschnitt für die Ausmündung des JACOBSON'schen Organs versehen 
sind. Nur in ihrer vordersten Partie stossen die Pflugscharbeine an 
einander und bilden dadurch eine niedrige Knochenleiste; weiter nach 



— 33 - 

hinten werden sie durch einen breiten Spalt getrennt. Ihre Unter- 
fläche ist stark convex gebogen; sie zeigt vorn jederseits zwei kleine 
Löcher für den Durchtritt grösserer Gefässe und läuft nach hinten in 
zwei kurze Leisten aus. Von den zum Theil durch die Gaunienfort- 
sätze der Maxiilaria verdeckten innern Nasen Öffnungen scheint bei der 
Ansicht von unten jede aus zwei länglich-ovalen Löchern zu bestehen, 
die mit ihren Spitzen gegen einander gerichtet und durch einen kurzen 
Spalt verbunden sind. Sie liegen weit zur Seite gedrängt, um ein 
Beträchtliches höher als das eigentliche Niveau der Munddecke. Dieses 
tritt am deutlichsten an den Gaumenbeinen hervor, indem deren 
vorderer Abschnitt je eine breite und tiefe Rinne bildet, die von den 
innern Nasenöffnungen aus nach hinten ziemlich steil abfällt. Die 
Palatina selbst sind verhältnissmässig kurz und in ihrer vordem Hälfte 
erheblich breiter als hinten. Ihr medialer Rand ist nur in seinem 
vordersten Theil leistenartig verdickt, während der laterale Rand nicht 
nur bis an sein hinteres Ende zu einer äusserst kräftigen Gaumen- 
beinleiste umgeformt ist, sondern in noch weit höherm Maasse als bei 
Eremias die Anlage zu echten horizontalen Gaumenfortsätzen erkennen 
lässt. Durch eine breite, fast bis ans vordere Ende der Vomeres 
reichende Palatopterygoidspalte werden die Palatina wie auch die 
Flügelbeine weit von einander getrennt. 

Nur zwei gesonderte Lager acinöser Drüsen mit kurzen, nach 
unten gerichteten Ausführungsgängen sind an der Munddecke vor- 
handen. Von diesen erstreckt sich das umfangreichere über die 
Innenlippe, die vordere Hälfte der Gaumenblätter und den knopf- 
artigen Theil des Vomerpolsters , während das mittlere Stück des 
letztern die zweite selbständige Drüsengruppe trägt. 

Der relativ breite, aber kurze JAcoßsoN'sche Knorpel ragt median- 
wärts über die Gaumenfortsätze der Maxillaria hinaus ; er reicht nach 
hinten nicht ganz bis an das vordere Ende der innern Nasenöffnungen 
und beeinflusst daher nur den vordersten Theil der Gaumenblätter. 

Bindegewebe tritt in dickern Schichten nur an den drüsigen 
Partien der Munddecke, in der Lippenfalte und den verdickten Rändern 
des hintersten Vomerpolsterabschnitts auf; an den übrigen Stellen 
bildet fast ausschliesslich das Epithel die Ueberkleidung der Mund- 
deckenknochen. 

Scincidae. 
Die allmählich fortschreitende Vervollkommnung im Bau der 
Munddecke von den Zonuriden an bis zu der unter den Eidechsen 

3 



— 34 — 

überhaupt vorkommenden höchsten Ausbildung derselben vollzieht sich 
innerhalb der Familie der Scincidae. Von diesen habe ich Eumeces 
algeriensis, Gongylus ocellatws, Chaleides tridactylus, 
JEgemia striolata, Mabuia multifasciata und Tiliqua 
gigas untersucht. 

Die Innenlippe von Eumeces zeigt im Allgemeinen eine sehr 
kräftige Entwicklung, während die Lippenfalte etwas verkümmert er- 
scheint, in so fern sie bereits gegen die Mitte der Maxillen ziemlich 
plötzlich längs der eigentlichen Lippe verstreicht. Diese setzt sich 
vorn durch eine schmale Furche deutlich von dem Vomerpolster ab. 
Letzteres ist lang gestreckt und von kegelförmiger Gestalt. Es be- 
steht aus einer vordem , knopfartigen Verdickung , die nach hinten 
durch einen kurzen, gedrungenen Wulst mit einer langen, annähernd 
viereckigen Platte verbunden ist. Längs dieser verlaufen die engen 
Nasengaumenspalten fast in sagittaler Richtung nach vorn, biegen so- 
dann sichelförmig gegen den mittlem Theil des Vomerpolsters ein und 
endigen am hintern Rand von dessen knopfartiger Verdickung, wo sie 
der Ausmündung des jACOBSON'schen Organs und des Thränennasen- 
canals dienen. Von den innern Vorhöhlen des Nasengangs bleiben 
nur am hintern Ende des Vomerpolsters zwei kleine, grubenähnliche 
Oeffnungen sichtbar, die durch eine kurze Nasengangscheide von ein- 
ander getrennt werden. Ihre übrigen Partien sind durch die lang 
gestreckten und breiten Gaumenblätter vollständig verdeckt. Jedes 
von diesen zerfällt in zwei scharf gesonderte Abschnitte, vorn ein 
kleineres, lateral vom mittlem Theil des Vomerpolster gelegenes Stück 
und dahinter ein grösserer Abschnitt, der nach hinten ohne merkliche 
Abstufung mit den Weichtheilen des zahntragenden Palatopterygoid- 
felds verwächst. Diese Verwachsung ist hier jedoch weit ausgedehnter 
als bei Eremias und Zonurus, denn an ihr zeigt sich das Zustande- 
kommen des weichen Gaumens und die damit gleichsam schrittweise 
verbundene Bildung von Choanen durch eine allmählich fortschreitende 
Entwicklung der Gaumenblätter in deutlichster Weise, während die 
vorbenannten Formen uns hierüber noch im Ungewissen Hessen. 

Der dem einfachen Palatopterygoidfeld sämmtlicher bisher be- 
trachteten Eidechsen entsprechende hintere Abschnitt der primären 
Munddecke zerfällt nämlich bei Eumeces in zwei durch ihre ver- 
schiedene Höhenlage scharf von einander unterschiedene Partien. Von 
diesen bildet die obere die eigentliche Munddecke, während die untere 
einem echten Gaumen entspricht. Letzterer ist hier jedoch noch nicht 
vollständig geschlossen, sondern lässt einen medianen „Gaumenspalt' 4 



— 35 - 

von der Breite des hintern Vomerpolsterrands frei. Durch diesen 
hindurch erblickt man die primäre Munddecke, in welche von hinten 
her die Sphenoidbucht bis nahezu an das Vomerpolster einschneidet. 

Die kräftigen Maxillaria tragen wohl entwickelte Gaumenfortsätze, 
die besonders gegen die Mitte der Zahnreihe an Breite zunehmen. 
Auch das paarige Zwischenkieferbein besitzt einen kurzen horizontalen 
Fortsatz, der zu zwei seitlichen Zipfeln ausgezogen ist, zwischen welche 
sich das vordere Ende der Vomeres keilartig einschiebt. Zusammen 
betrachtet, gleichen die letztern einem länglichen Oval, dessen Seiten- 
theile schräg aufwärts gerichtet und vorn mit einem kleinen Aus- 
schnitt für die Mündung des JACOBSON'schen Organs versehen sind. 
Sie stossen in ihrer ganzen Länge zusammen und bilden dadurch vorn 
eine niedrige Crista, während sie hinter derselben eine schmale Furche 
zwischen sich fassen. Die zum grossen Theil von den maxillaren 
Gaumenfortsätzen überdeckten innern Nasenöffnungen erweitern sich 
vorn ein wenig für die Ausmündung des JACOBSON'schen Organs und 
schneiden mit ihrem hintern Ende tief in die Palatina ein. Gegen- 
über dem gleichen Knochenpaar der früher betrachteten Eidechsen 
zeigen diese bei Eumeces einen bedeutenden Fortschritt in Bezug auf 
die Herstellung eines knöchernen Gaumens, so fern sich an ihnen 
zwei scharf unterschiedene Theile erkennen lassen: die eigentlichen 
Gaumenbeinkörper und deren horizontale Fortsätze. Jene sind in 
ihrer vordem Partie ausserordentlich breit und stossen daselbst bis 
auf eine schmale Furche an einander, während sie weiter nach hinten 
beträchtlich divergiren. Bis zu ihrer gegenseitigen Berührung bildet der 
mediale Rand jedes Palatinums eine kräftige Leiste, die aber von der 
Trennungsstelle beider Knochen an plötzlich verstreicht. Der laterale 
Rand ist zwar gleichfalls leistenartig verdickt, aber ausserdem ent- 
sendet er einen deutlich ausgeprägten horizontalen Fortsatz gegen 
die Mittellinie, so dass das Gaumenbein auf dem Querschnitt haken- 
förmig gebogen erscheint. Eine Berührung dieser horizontalen Fort- 
sätze unter sich besteht nicht, sie bleiben vielmehr, ebenso wie die 
hintern Partien der Gaumen- und Flügelbeine, durch eine breite Palato- 
pterygoidspalte von einander getrennt. 

Das einzige Drüsenlager, welches sich an der Munddecke vor- 
findet, ist auf die hintern Abschnitte der Gaumenblätter beschränkt; 
es trägt wesentlich zu deren kräftiger Entwicklung bei. Die Drüsen 
haben einen tubulösen Bau und entsenden ihre weiten Ausführungs- 
gänge in schräger Richtung gegen den medialen Rand der Gaumen- 
blätter, die sie vom vordem Ende des grossem Abschnitts derselben 

3* 



— 36 — 

UDgefähr bis in gleicher Linie mit dem hintern Rand des Vomer- 
polsters durchziehen. Auf das vordere Stück der Gaumenblätter 
greifen die Drüsen nicht mehr über. Hier wie auch im Vomerpolster, 
dem Palatopterygoidfeld und in den Lippen betheiligen sich an der 
Ausbildung der Mundweichtheile nur dickere Bindegewebslagen und 
das Epithel; fast ausschliesslich von dem letztern ist die Wandung 
der Sphenoidbucht hergestellt. 

Ganz analoge Verhältnisse wie bei Eumeces finden wir an der 
Munddecke von Gongylus ocellatus. Chalcides tridactylus hingegen 
lässt einige Abweichungen von jener Form erkennen. Die in gewöhn- 
licher Weise ausgebildete Innenlippe trägt vorn einen kleinen Zwischen- 
kieferknopf, von dem aus nach hinten die dreieckig gestaltete Vomer- 
leiste auf das Vomerpolster hinüberführt. Letzteres gleicht etwa einer 
schmalen Schuhsohle, die von einer seichten Medianfurche durchzogen 
wird. Die engen Nasengaumenspalten verlaufen in wellenförmigen 
Bogen und biegen vorn schräg gegen die Gaumenblätter ein. Diese 
zeigen eine relativ stärkere Ausbildung als bei Eumeces, heben sich 
aber in schärferer Weise als dort von dem hintern Theil der Mund- 
höhle ab, der auch hier in die primäre Munddecke und den Gaumen 
gesondert wird. Letzterer bleibt durch die mit stark gebuchteten 
Rändern versehene Gaumenspalte weit offen, so dass die hinterste 
Partie der innern Vorhöhlen des Nasengangs immer noch sichtbar ist. 

Auch die knöcherne Munddecke von Chalcides zeigt keine erheb- 
lichen Unterschiede gegenüber derjenigen von Eumeces. Die Pflug- 
scharbeine haben eine etwas gestrecktere Form und bilden eine lange 
Leiste, die vorn mit einer kleinen knopfartigen Abrundung an das 
Zwischenkieferbein grenzt. Die Körper der Palatina berühren sich 
längs einer grössern Strecke als dort, während ihre weit gebuchteten 
horizontalen Gaumenfortsätze zwar weit von einander getrennt bleiben, 
aber den Gaumen doch etwas mehr abschliessen. 

Uebereinstimmend mit Eumeces ist auch bei Chalcides das Vor- 
kommen von Munddeckendrüsen auf die Gaumenblätter beschränkt. 
Die Drüsen selbst bestehen aus grossen Schläuchen mit kurzen Aus- 
führungsgängen; sie werden durch ein massig dickes Bindegewebs- 
gerüst von einander getrennt. Im Uebrigen ist die Betheiligung des 
Bindegewebes und des Epithels in den einzelnen Weichgebilden hier 
dieselbe wie im vorigen Fall. 

Egernia striolata bekundet einen wesentlichen Fortschritt gegen- 
über den bisher betrachteten Scinciden dadurch, dass es bei ihr — 
wenigstens in den Weichtheilen — zur Bildung eines geschlossenen 



— 37 — 

Gaumens und damit zur Sonderung einer wirklichen Nasenhöhle von 
der secundären Mundhöhle kommt. Die Innenlippe ist normal ent- 
wickelt und vorn mit einem kleinen Zwischenkieferknopf versehen, an 
den sich jederseits ein bogenförmig nach hinten verlaufender, niedriger 
Wulst ansetzt. Das äusserst lang gestreckte Vomerpolster ist vorn 
verhältnissmässig breit und dient daselbst der kurzen Vomerleiste 
gleichsam als Sockel. Es läuft nach hinten allmählich spitz zu und 
ist von einer flachen Medianfurche durchzogen. In seinem vordem 
Abschnitt trägt das Vomerpolster jederseits ein kleines Knöpfchen, das 
lateral von dem hakenförmig gegen die Mittellinie umgebogenen vordem 
Ende der sehr schmalen Nasengaumenspalten begrenzt wird ; es scheint 
dort die Ausmündung des jAcOBSON'schen Organs zu erfolgen. Während 
an jener Stelle die Nasengaumenspalten aber weit von einander ab- 
stehen, nähern sie sich nach hinten immer mehr, bis sie am hintern 
Rand des Vomerpolsters fast vereinigt in das Ostium pharyngo-nasale 
münden. 

Dieses Ausdrucks, der bekanntlich in der Anatomie allgemein für 
die hinter dem weichen Gaumen der Säuger gelegene Communication 
zwischen Nasen- und Mundhöhle gebraucht wird, glaube ich mich auch 
für die entsprechende Bildung bei den Eidechsen bedienen zu können, 
wenngleich jene Oeffnung hier bedeutend weiter vorn liegt als dort. 
Ebenso werde ich, wie im Eingang dieser Arbeit schon angedeutet 
wurde, den hinter jenem Ostium verbleibenden Rest der primären 
Mundhöhle auch bei den Scinciden als Pharynx bezeichnen. 

Bei Egernia ist letzterer verhältnissmässig lang gestreckt. Seinen 
vordem Abschluss bildet das Vomerpolster, während er lateral von 
den hintern Partien des Gaumens begrenzt wird, dessen vordem Theil 
hauptsächlich die mächtig entwickelten Gaumenblätter herstellen. 

Noch weit vollkommner als bei Egernia ist der Gaumen bei 
Mabuia multifasciata ausgebildet, in so fern das Ostium pharyngo- 
nasale und damit zugleich das vordere Ende des Pharynx weit hinter 
dem Vomerpolster liegt. Letzteres hat im Wesentlichen die nämliche 
Gestalt wie bei Egernia, ist jedoch erheblich kürzer und breiter als 
dort. Es trägt in seiner ganzen Länge die von einer flachen Median- 
furche durchzogene Vomerleiste und grenzt vorn direct an den scharf 
ausgeprägten Zwischenkieferknopf, der in ähnlicher Weise wie bei der 
vorigen Form jederseits einen sich bogenförmig nach hinten erstreckenden 
niedrigen Wulst trägt. In diesen schneiden die vordem, weit von ein- 
ander abstehenden Enden der äusserst schmalen Nasengaumenspalten 
scharf ein. Unmittelbar hinter dem Vomerpolster aber vereinigen sich 



— 38 - 

die letztem zu einer ganz engen Gaumenspalte, die bis an das Ostium 
pharyngo-nasale reicht. Bis auf diese schmalen Spalten ist der Gaumen 
vollständig geschlossen, und zwar wird er ausser vom Vomerpolster 
lediglich dadurch gebildet, dass die sehr breiten Gaumenblätter hinter 
jenem zusammenstossen. 

Die vollendetste Form des Gaumens zeigt bei den von mir unter- 
suchten Eidechsen Tiliqua gigas, von der ich einen altern Embryo zu 
Schnittpräparaten verwendet habe. Die dicken Lippen sind in ge- 
wöhnlicher Weise entwickelt und zeigen ebenso wenig wie der Zwischen- 
kieferknopf und das Vomerpolster gegenüber den bei Mabuja ge- 
schilderten Verhältnissen irgend welche erhebliche Abweichungen. 
Letzteres ist nur relativ viel kleiner und schmäler. Auch von den 
Nasengaumenspalten gilt im Wesentlichen das bei der vorigen Species 
Gesagte. Sie vereinigen sich hinter dem Vomerpolster zu einer schmalen 
Gaumenspalte, die aber nicht wie dort frei bis an den Pharynx reicht, 
sondern schon weit vorher unter den Gaumenblättern verschwindet. 
Diese haben sich nämlich in ihren hintern Partien dermaassen stark 
entfaltet, dass sie über einander greifen : es legt sich daher das linke 
Gaumenblatt weit über das rechte, während sich dieses unter jenes 
hinschiebt. Auf diese Weise wird eine vollständigere Scheidung 
zwischen Nasen- und Mundhöhle geschaffen als bei der vorigen Art. 
Dieser nahezu vollendeten Bildung eines geschlossenen Gaumens 
in den Weichtheilen entspricht im Wesentlichen auch die Formation 
der knöchernen Munddecke. Die Gaumenfortsätze der Maxiilaria er- 
langen besonders hinten, wo sie sich den Palatina anlehnen, eine be- 
trächtliche Breite, ohne sich jedoch zu berühren. Vorn stossen sie 
mit ihrem ausgebuchteten Rand an die zwei breiten Zwischenkiefer- 
beine, deren jedes einen langen Processus vomero-maxillaris trägt. 
Zwischen diese Fortsätze schieben sich die beiden Vomeres mit einem 
breiten Schnabel keilartig ein. Abgesehen von dem letztern bilden 
die Vomeres, zusammen genommen, ein längliches Oval, das zwei nach 
hinten allmählich abfallende, scharf ausgeprägte Leisten trägt. In die 
hierdurch entstehende Medianfurche zieht sich von vorn her eine 
niedrige Crista. Die innern Nasenöffnungen erscheinen als zwei äusserst 
schmale, sichelförmige Spalten, vor denen die Ausmündungsstellen des 
jACOBSON'schen Organs gelegen sind. Ihren hintern Abschluss bilden 
die Gaumenfortsätze der Maxiilaria, die sich an dieser Stelle breit vor 
die Palatina legen. Letztere sind relativ sehr lang und stossen in 
ihrem vordem Theil an einander. Jedes von ihnen trägt einen breiten, 
nach hinten bis über die letzten Zähne weit hinausreichenden Gaumen- 



— 39 — 

fortsatz, so dass die Palatina zu CD - förmig gegen die Mittellinie 
geöffneten Knochen mit annähernd gleich langen Schenkeln umgebildet 
erscheinen. Der hierdurch hergestellte knöcherne Gaumen bleibt nur 
noch durch eine schmale Spalte offen, die davon herrührt, dass die 
Gaumenfortsätze der Palatina nicht in der Mittellinie verwachsen. 
Das in den Weich theilen constatirte weite U eberein andergreifen der 
beiden Gaumenhälften ist hier in so fern beschränkt, als der Rand 
des linken Gaumenfortsatzes etwas nach oben, der des rechten ein 
wenig nach unten gekrümmt ist und nur in ihrem hintern Theil ein 
schwaches Hinübergreifen jenes Rands über diesen erfolgt. Sehr an- 
schaulich tritt dies bei der Einführung einer Nadel in jene Gaumen- 
spalte hervor, in so fern solches vorn in direct verticaler, hinten da- 
gegen nur in schräger Richtung möglich ist. Wir finden also bei 
Tiliqua nicht nur in den Weichtheilen, sonder auch im Knochen eine 
fast vollendete Scheidung der Nasen- und der Mundhöhle durch den 
Gaumen. Die Nasenhöhle ist nach hinten zu einer langen Röhre aus- 
gezogen, deren obere Wandung die eigentlichen Körper der Palatina 
bilden, während deren Gaumenfortsätze bis auf die schmale Median- 
spalte den untern Abschluss derselben herstellen. Von den weiten 
Choanen ist an der von unten betrachteten Munddecke nichts zu sehen, 
da sie durch die Gaumenfortsätze der Palatina gänzlich verdeckt 
werden. Sie liegen kurz vor dem vordem Ende der schmalen und 
lang gestreckten Flügelbeine, so dass diese an ihrer Begrenzung nicht 
mehr Theil nehmen. Die bei den früher betrachteten Eidechsen bald 
mehr, bald weniger lang gestreckte Palatopterygoidspalte bildet hier 
nur eine schmale, ovale Oeffnung, in welche hinein das Rostrum 
sphenoidale weit vorragt. Verhältnissmässig klein sind die Foramina 
suborbitalia , von deren Umrandung die Flügelbeine völlig ausge- 
schlossen sind. 

An Drüsen zeigt die Munddecke nur zwei gesonderte Lager : eins 
in der Aussenlippe, das andere in den Gaumenblättern. Die einzelnen 
Drüsen sind schlauchförmig und liegen in eine dicke Bindegewebs- 
schicht eingebettet. Auf den Gaumenblättern umfasst das Drüsenlager 
nur ein kleines Gebiet, das sich ungefähr von den Ausmündungsstellen 
des JAcoBSON'schen Organs bis an den hintern Rand des Vomer- 
polsters erstreckt. Die Drüsen der Aussenlippe dagegen ziehen längs 
des ganzen Zahnbogens hin und münden am Rand der zwischen diesem 
und der Lippe befindlichen Spalte aus. 

Dickere Bindegewebslagen finden sich nur in den Lippen, dem 
Vomerpolster und den medialen Rändern der Gaumenblätter vor; an 



— 40 — 

deD übrigen Partien der Munddecke bildet wieder vorwiegend das 
Epithel den Bezug der darüber gelegenen Knochen. 

Bei sämmtlichen Scinciden erreicht der jAcoBSON'sche Knorpel 
eine so beträchtliche Breite, dass er medial über die Gaumenfortsätze 
der Maxiilaria vorspringt und die Gaumenblätter in ihrem vordem Ab- 
schnitt lippenartig vor sich her treibt. Er endigt nach hinten gabel- 
förmig unmittelbar vor den innern Nasenöffnungen, alsdann treten in 
den Gaumenblättern die oben erwähnten Drüsen auf. 

Chamaeleontidae. 
An der hochgewölbten Munddecke von Chamaeleon basiliscus 

zeigt die Aussenlippe gegenüber der gewöhnlichen Form keinerlei Ab- 
weichungen, dagegen bleibt die Innenlippe sowohl hinsichtlich ihrer 
Dicke wie ihrer kurzen, nach vorn kaum bis zur Mitte des maxillaren 
Zahnbogens reichenden Lippenfalte hinter der normalen Ausbildung 
zurück. Ein Zwischenkieferknopf fehlt vollständig, desgleichen die 
Vomerleiste. Das annähernd ovale, breite Vomerpolster ist in seiner 
vordem Hälfte von schwach verdickten Rändern umsäumt; es trägt 
einen nach vorn geöffneten, hufeisenförmigen Wulst, an den sich nach 
hinten die Nasengangscheide als ein niedriger medianer Kamm ansetzt. 
Von den sehr engen und verhältnissmässig kurzen Nasengaumenspalten 
ist das vordere Ende als Ausmündungsstelle des rudimentären Jacob- 
soN'schen Organs schleifen artig umgebogen. Die innern Vorhöhlen 
des Nasengangs bleiben fast in ihrer ganzen Ausdehnung sichtbar; 
sie laufen nach hinten in eine breite und tiefe Medianfurche aus, die 
von schwach verdickten Rändern eingefasst wird und mit der Sphenoid- 
bucht endigt. Die Gaumenblätter sind ausserordentlich breit und 
heben sich lateral durch eine geschweifte, flache Längsfurche von den 
angrenzenden Partien der Munddecke ab. Nach vorn verstreichen sie 
allmählich gegen die Innenlippe, während sie nach hinten ohne merk- 
liche Abstufung in die Weichtheile des Palatopterygoidfelds übergehen. 
Den Abschluss des letztern stellen zwei mächtige, flügelartig nach 
unten gerichtete Erhebungen her, die zu beiden Seiten der Sphenoid- 
bucht gelegen sind und diese von den Kaumuskelwülsten trennen. 

An der knöchernen Munddecke finden wir relativ breite Gaumen- 
fortsätze der Maxillaria, die vorn zusammenstossen und dadurch das 
unpaare Zwischenkieferbein weit von dem Vomer trennen. Ersteres 
ist äusserst schmal und trägt eine winzige Horizontallamelle von an- 
nähernd dreieckiger Gestalt. Letzterer gleicht im Wesentlichen einer 
kurzen, rechteckigen Knochenplatte, die sich ausser durch ihre Kürze 



— 41 - 

noch dadurch von dem Pflugscharbein der bisher besprochenen Ei- 
dechsen unterscheidet, dass die bei diesen regelmässig vorhandene Ein- 
kerbung für die Ausmündung des jACOBSON'schen Organs hier voll- 
ständig fehlt. Nach hinten reicht der Vomer kaum bis gegen die 
Mitte der grossen, mandelförmig gestalteten innern Nasen Öffnungen. 
Er bildet somit für diese nur zum kleinern Theil die mediale Be- 
grenzung, deren Haupttheil zwei lang gestreckte Fortsätze der Palatina 
liefern, die in der Mittellinie an einander stossen und sich durch eine 
tiefe Ausbuchtung scharf von den eigentlichen Körpern der breiten 
Gaumenbeine absetzen. Erhöht wird diese Abstufung noch durch 
starke, weit gegen die Medianlinie vorspringende Knochenleisten, die 
sich vom hintern medialen Kand der Pterygoidea aus nach vorn er- 
strecken und ein ähnliches Verhalten zeigen wie die bei den Scinciden 
besprochenen Gaumenfortsätze der Palatina, mit denen sie jedoch nicht 
zu verwechseln sind. Die eigentlichen Gaumenbeinkörper berühren 
sich nur längs einer kurzen Strecke und werden in ihren hintern 
Partien ebenso wie die Flügelbeine durch eine breite Palatopterygoid- 
spalte von einander getrennt. Bei ihrer Anlehnung an die Transversa 
entsenden die Pterygoidea breite, flügelartige Fortsätze nach unten, 
wodurch sie in ihrem Aussehen von den entsprechenden Knochen der 
übrigen Eidechsen in auffallender Weise unterschieden sind. Nach 
vorn laufen sie in eine scharfe Spitze aus und bilden weithin die 
mediale Begrenzung der Gaumenbeine. 

Drei gesonderte Gruppen von zum Theil grossen alveolären Drüsen 
tragen zur stärkern Ausbildung der Mundweichtheile bei. Am zahl- 
reichsten sind die Drüsen der Aussenlippe; sie durchziehen diese in 
ihrer ganzen Länge und häufen sich besonders stark im Bereich des 
Zwischenkiefers an. Auch die Drüsen der Gaumenblätter bilden ein 
gewaltiges Lager, das sich nach hinten bis dicht vor die Sphenoid- 
bucht erstreckt und jederseits mit einem schmalen Strich auch noch 
auf die Lippenfalte übergreift. Weniger umfangreich ist das Gebiet 
der Drüsen des Vomerpolsters , deren dichteste Anhäufung sich auf 
dem hufeisenförmigen Wulst des letztern befindet. 

Der Fortsatz des JACOBSON'schen Knorpels ist sehr breit, so dass 
er jederseits die Horizontallamellen der Maxiilaria medialwärts nicht 
nur säumt, sondern nach innen weit über sie vorspringt und dadurch 
die Gaumenblätter lippenartig vor sich hertreibt. Er reicht nach 
hinten weit über das vordere Ende der innern Nasenöffnungen hinaus 
und trägt nicht unerheblich zu der kräftigen Ausbildung des vordem 



- 42 — 

Abschnitts der Gaumenblätter bei. Von der Stelle an, wo er endigt, 
treten in diesen die vorerwähnten Drüsen auf. 

Den gleichen Bau der Munddecke wie Chamaeleon basiliscus zeigt 
auch Gh. vulgaris. 

Geckonidae. 

Für die umfangreiche Familie der Geckonidae konnte ich meine 
Untersuchungen auf eine einzige Species, Platydactylus verti- 
cillatus, beschränken, weil die übrigen mir in grosser Zahl zugäng- 
lichen Vertreter dieser Familie mit jener hinsichtlich ihrer Mund- 
deckenbildung im Wesentlichen übereinstimmen. Im Gegensatz zu der 
äusserst dünnen, aber sonst normalen Aussenlippe weicht die mit einem 
kleinen Zwischenkieferknopf versehene Innenlippe erheblich von der 
gewöhnlichen Form dadurch ab, dass sie in ihren maxillaren Theilen 
nicht aus einem, sondern aus zwei neben einander her ziehenden Längs- 
wülsten besteht und dass die grösste Breite der Lippenfalte statt an 
deren hinterm Ende ungefähr in ihrer Mitte liegt. Hervorgerufen 
wird letzteres durch die Gaumenblätter, die mit der Innenlippe derart 
verwachsen, dass zwischen beiden Gebilden keine genaue Trennungs- 
linie festzustellen ist. Dem äussern Anschein nach sondert sich jedes 
Gaumenblatt in einen lateralen Wulst und eine mediane Hautfalte, 
welche fast steil nach oben umgeschlagen erscheint. Ihr hinteres Ende 
verstreicht allmählich in einem flachen Bogen gegen die Lippenfalte 
und überragt den hintern Rand des Vomerpolsters beträchtlich. Dieses 
ist annähernd oval und hinten mit einem schmalen, dünnen Hautsaum 
versehen. Eine Vomerleiste fehlt gänzlich. Die Nasengaumenspalten 
sind kurz und lassen gegen ihr hinteres Ende einen Theil der innern 
Vorhöhlen des Nasengangs erkennen. Ihr schmaler vorderer Abschnitt 
zerfällt, wie Born bei den von ihm untersuchten Ascaloboten erwähnt, 
in zwei ungleich lange Aeste, die ein kleines, zungenförmiges Läppchen 
zwischen sich fassen. Der mediale Ast ist kurz und biegt schräg nach 
innen um; der laterale hingegen ist Anfangs sichelförmig nach aussen 
gebogen, verläuft dann eine kurze Strecke weit in sagittaler Richtung 
und verliert sich schliesslich in zwei äusserst kurzen Spalten, von 
denen der eine quer nach innen, der andere schräg nach aussen ge- 
bogen ist. Der Spalt lateral von dem zungenförmigen Läppchen dient 
dem jAcOBSON'schen Organ, der mediale dem Thränennasencanal zur 
Ausmündung in die Mundhöhle. Das breite Palatopterygoidfeld wird 
durchschnitten von einer gewaltigen Sphenoidbucht, an deren Wandung 
j euerseits die hintere Begrenzung der Augenhöhlen in Gestalt einer 



- 43 — 

kugligen Auftreibung hervortritt. Es zerfällt in zwei durch ihre ver- 
schiedene Höhenlage scharf von einander abgesetzte Theile, eine grosse 
hintere und eine kleine vordere Partie. Jene trägt die hintern Enden 
der Lippenfalten, während diese mit ihrem medianen Abschnitt das 
Vomerpolster von hinten begrenzt und sich lateralwärts zu den innern 
Vorhöhlen des Nasengangs emporwölbt. 

Die breiten Gaumenfortsätze der Maxiilaria grenzen vorn mit 
ihrem ausgebuchteten Kand an das unpaarige Zwischenkieferbein und 
trennen dessen mit einer Spina versehenen Horizontalfortsatz bis auf 
eine kleine Strecke von den beiden Vomeres. Zusammen betrachtet, 
bilden diese ein Oval, das eine niedrige mediane Knochenleiste trägt 
und von einer breiten Längsfurche durchzogen wird. Jedes Pflug- 
scharbein besteht aus einem äusserst dünnen Knochenblättchen, dessen 
lateraler Rand nach oben umgerollt und vorn mit einer kleinen Ein- 
kerbung für die Ausmündung des JAcOBSON'schen Organs versehen ist. 
Nach hinten grenzen die Vomeres zum weitaus grössten Theil nicht 
an einen Knochen, sondern an eine dünne Membran, welche sie mit 
dem Ethmoideum verbindet. Nur die hintersten Ecken ihrer lateralen 
Ränder werden gestützt durch einen dornartigen medialen Fortsatz 
der Palatina. Letztere selbst sind relativ breit, aber auffallend kurz. 
Ihr vorderer, ziemlich steil nach oben gerichteter Abschnitt trägt 
lateral einen gut entwickelten Gaumenfortsatz, der mit dem medialen 
Processus eine tiefe Ausbuchtung als hintern Abschluss der innern 
Nasen Öffnungen bildet. Diese gleichen zwei länglichen Ovalen, die 
nach vorn spitz zulaufen und dort an den Ausmündungsstellen des 
JAcOBSON'schen Organs endigen. Medialwärts berühren sich die Palatina 
nicht, sondern werden, ebenso wie die Flügelbeine, durch eine äusserst 
breite Palatopterygoidspalte von einander getrennt. 

Das Vorkommen von Munddeckendrüsen ist beschränkt auf die 
Innenlippe nebst einem Theil der Gaumenblätter und auf das Vomer- 
polster. An beiden Stellen beeinflussen sie die Ausbildung der be- 
treffenden Weichtheile in hohem Maasse. Die Drüsen der Innenlippe 
sind acinös und werden durch ein nur spärliches Bindegewebsstroma 
zusammengehalten. Sie münden mit ihren kurzen Ausführungsgängen 
an der Unterseite der Lippe aus, die sie in ihrer ganzen Länge durch- 
ziehen. Ein Theil von ihnen greift auf die Gaumenblätter hinüber, 
doch bleibt deren nach oben gerichtete häutige Falte drüsenfrei. 
Gleichfalls acinösen Bau zeigen auch die Drüsen des Vomerpolsters. 
Sie bilden eine für sich scharf abgegrenzte Gruppe und häufen sich 
besonders stark gegen die Mittellinie an. Eine Sonderung dieser 



_ 44 — 

Drüsen in zwei verschiedene Lagen, wie Born solches bei den von 
ihm untersuchten Ascaloboten gefunden zu haben glaubt, vermag ich 
bei meinem Exemplar nicht zu erkennen. Born sagt nämlich: „Die 
untere breitere Schicht besteht aus einer Lage weiter, auf dem Epithel 
der Rachenhöhle ausmündender Schläuche, die mit im Verhältniss zur 
Grösse des Lumens niedrigen Zellen bekleidet sind ; die obere schmälere 
Schicht setzt sich aus mehreren Lagen kleiner Drüsenquerschnitte zu- 
sammen, welche einen relativ viel höhern Cylinderepithelbelag zeigen. 
Die erstem functioniren wohl als Ausführungsgänge der zweiten." — 
Meinem Befund nach bilden die Drüsen des Vomerpolsters bei PI. 
verticillatus ein grosses Packet gleichartiger Drüsenbälge, bei denen 
von einer Sonderung in verschiedene Schichten nicht die Rede sein 
kann. 

Von nicht unbedeutendem Einfluss auf die Entwicklung der Gaumen- 
blätter ist bei Platydaxtylus der von der Wandung des JACOBSON'schen 
Organs nach hinten sich erstreckende Knorpelfortsatz, der hier ein 
ganz analoges Verhalten zeigt, wie ihn Born für Hemidactylus be- 
schrieben hat, nämlich: 

„Der freie innere Rand des Knorpelfortsatzes entspringt hier nicht 
wie bei Lacerta und den vorigen [Gongylus, Scincus und Lygosoma- 
Arten] hakenförmig aus der untern Wand der Kapsel des Jacobson- 
schen Organs, um noch vor der innern Choane zu endigen, sondern 
ist eine directe Verlängerung der knorpligen Seitenwand des Jacob- 
sON'schen Organs nach hinten und erstreckt sich längs der ganzen 
Rinne am Dach der Mundhöhle. Er begleitet dabei in ansehnlicher, 
nach hinten zunehmender Breite den medialen Rand der Gaumenplatte 
des Os maxillare superius und weiter rückwärts sogar das Palatinum. 
Vorn liegt er dem Knochen entweder direct an, oder er schiebt sich 
ein wenig über oder unter denselben hin; hinten trennt beide ein 
bindegewebiger Zwischenraum. Der Knorpelfortsatz endet zugespitzt 
da, wo der die Spalte B (fig. 3) begleitende dünne Saum aufhört, 
für den er mit der medialen Hälfte seiner Breite die Grundlage ab- 
giebt etc." 

Amphisbaenidae. 
Von den Amphisbaeniden habe ich Lepidostemon micro- 
cephalwm, Amphisbaena alba und Amph. fnliginosa 

untersucht, und zwar die zuletzt genannte Species unter Hinzuziehung 
von Schnittpräparaten. Die flach gewölbte Munddecke von Amph. 
fulifjinosa zeigt als Umrandung neben der äusserst dicken Aussenlippe 



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eine eigenthümlich gestaltete Innenlippe. Letztere zerfällt in einen 
paarigen maxillaren und einen unpaarigen intermaxillaren Abschnitt. 
Beide Theile werden von einander jederseits durch eine schräg nach 
aussen gerichtete tiefe Furche getrennt, die zugleich die vordere Be- 
grenzung der Lippenfalte bildet. Diese ist kräftig entwickelt und 
medianwärts bandartig nach unten umgeschlagen ; sie verstreicht nach 
hinten allmählich längs der mit einer Spitze eigenartig gegen die 
Mittellinie vorspringenden Kaumuskelwülste. Der intermaxillare Theil 
der Innenlippe sondert sich in eine mediale und zwei laterale Partien. 
Von diesen bilden die letztern halbkreisförmig nach hinten abgerundete 
Polster, die durch tiefe Furchen scharf von dem medialen Stück ab- 
gesetzt sind. Letzteres gleicht im Wesentlichen einem keilförmigen 
Wulst, dessen nach hinten gerichtete Spitze mit einer knopfartigen 
Verdickung endigt. An diese schliesst sich die lang gestreckte Vomer- 
leiste an. Das Vomerpolster stellt in seinem Haupttheil eine längliche 
Platte dar. Es trägt ausser der Vomerleiste noch zwei S-förmig ge- 
krümmte, kammartige Erhebungen, die nach hinten bis an die Kau- 
muskelwülste reichen. Die schmalen Nasengaumenspalten verlaufen 
fast in sagittaler Richtung; nur ihr vorderer Abschnitt biegt sichel- 
förmig gegen die Mittellinie um. Vor demselben, durch eine Binde- 
gewebsbrücke getrennt, liegen zwei kleine Wärzchen, auf denen das 
jACOBSON'sche Organ ausmündet. Sehr breit und stark entwickelt 
sind die mit verdickten Rändern versehenen Gaumenblätter. Ihr 
vorderes Stück trägt einen doppelt S-förmig gekrümmten Wulst, der 
sich vom intermaxillaren Theil der Innenlippe nach hinten bis unge- 
fähr gegen die Mitte der Munddecke erstreckt und dort längs der 
Lippenfalte verstreicht. Zwischen dem hintern Bogen dieses Wulstes 
und den Nasengaumenspalten zeigt jedes Gaumenblatt einen von 
lippenartig aufgeworfenen Rändern eingefassten Schlitz. Derselbe be- 
sitzt eine ziemlich beträchtliche Tiefe, durchbricht aber das Gaumen - 
blatt nicht ganz, sondern stellt eine Art Tasche dar, deren Zweck 
sich aus den Schnittpräparaten nicht näher ersehen lässt. Der hintere 
Abschnitt der Gaumenblätter hat die Gestalt einer eckigen Platte, an 
deren hinterm Rand zwei grubenähnliche Vertiefungen zu den innern 
Vorhöhlen des Nasengangs hinführen. Geradezu auffallend klein und 
schmal ist das Palatopterygoidfeld , in so fern es kaum den sechsten 
Theil der Munddecke einnimmt. 

Wie in den Weichtheilen , so zeigt die Munddecke der Amphi- 
sbaenidae auch im Knochen gegenüber den früher betrachteten Formen 
erhebliche Abweichungen. Die verhältnissmässig breiten Gaumenfort- 



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Sätze der kurzen, aber ausserordentlich kräftigen Maxiilaria grenzen 
vorn an das starke Zwischenkieferbein und werden durch die Vomeres 
von einander getrennt. Letztere sind ebenfalls relativ sehr breit; sie 
stossen bis auf einen schmalen Spalt an einander und fassen eine tiefe 
Furche zwischen sich. Ihr medialer Rand ist zu einer starken Leiste 
verdickt und liegt annähernd im eigentlichen Niveau der Munddecke. 
Ihr lateraler Rand hingegen ist in seinen hintern Partien steil nach 
oben gewölbt und über die Gaumenfortsätze der Maxillaria hinge- 
schoben, während er sich diesen in seinem vordem Theil anlegt und 
dadurch die Ausmündungsstellen des jACOBSON'schen Organs von den 
innern Nasenöffnungen eine weite Strecke trennt. Die Palatina sind 
im Verhältniss zu der lang gestreckten Munddecke sehr kurz. Sie 
tragen an ihrem vordem lateralen Rand massig breite Gaumenfort- 
sätze, die jedoch, von unten betrachtet, nur wenig zu sehen sind, 
weil sie zum grössten Theil von den breiten und eigenthümlich ge- 
stalteten Transversa verdeckt werden. Im Wesentlichen stellen die 
Gaumenbeine einfache Knochenplatten dar mit leistenartig nach unten 
umgeschlagenen lateralen wie medialen Rändern. Sie bilden tiefe 
Rinnen, die nach vorn an die Vomeres grenzen und zu den innern 
Vorhöhlen des Nasengangs die knöcherne Decke liefern. Lateralwärts 
werden die Gaumenbeine hauptsächlich durch die Transversa begrenzt, 
während sie nach hinten U-förmig von den Pterygoidea umfasst werden. 
Letztere sind relativ sehr lang und erscheinen als einfache breite 
Knochenspangen, die dachförmig nach oben gegen die Mittellinie geneigt 
sind. In die Palatopterygoidspalte , welche sowohl die Gaumen- als 
auch die Flügelbeine trennt, schiebt sich das Basisphenoideum mit 
seinem langen Rostrum derart weit nach vorn vor, dass zwischen ihm 
und den Flügelbeinen jederseits nur ein schmaler, sichelförmiger Spalt 
übrig bleibt. Von den innern Nasenöffnungen ist an der Munddecke 
des horizontal liegenden Schädels nichts zu sehen, da sie durch die 
Gaumenplatten der Maxillaria vollständig verdeckt werden. Die Fora- 
mina suborbitalia fehlen gänzlich; in Folge dessen erscheinen die zu 
breiten, unregelmässigen Knochen umgebildeten Transversa gleichsam 
zwischen die Maxillaria, Palatina und Pterygoidea eingezwängt. 

Der wesentlichste Antheil an der kräftigen Ausbildung der Mund- 
weichtheile kommt dem Bindegewebe und der Mundschleimhaut zu. 
Drüsen befinden sich nur in der Aussenlippe, und zwar durchziehen 
sie diese längs des ganzen Zahnbogens. Die einzelnen Drüsen bilden 
grosse Acini, die in einer dicken Bindegewebslage eingebettet liegen 



— 47 — 

und ihre langen Ausführungsgänge nach der Unterseite der Lippe 
entsenden. 

Uebereinstimmend mit den soeben geschilderten Verhältnissen ist 
die Munddecke von Amphisbaena alba, und auch Lepidostemon micro- 
cephalum zeigt nur geringe Abweichungen davon. Unter diesen sind 
folgende Punkte hervorzuheben. 

Die Sonderung der Innenlippe in einen paarigen inaxillaren und 
einen unpaarigen intermaxillaren Abschnitt ist hier noch schärfer aus- 
geprägt als bei der vorigen Form. Während sich dort das inter- 
maxillare Lippenstück in drei getrennte Partien gliedert, bildet das- 
selbe hier einen einfachen, hufeisenförmigen Wulst, der vorn drei tiefe 
Grübchen aufweist. Diese rühren anscheinend von verloren gegangenen 
Zähnen her. Die zu einem dicken Wulst umgestaltete Lippenfalte 
endigt vorn an den ersten Maxillarzähnen , während sie nach hinten 
bis über die Kaumuskelwülste hinausreicht. Das Vomerpolster gleicht 
in seinem Haupttheil einem breiten Kamm, der die lang gestreckte 
Vomerleiste trägt und gegen den Schlund in eine feine Spitze aus- 
läuft. Den sehr langen und breiten Gaumenblättern fehlt die bei 
Amphisbaena erwähnte Tasche sammt den kleinen Wärzchen mit 
der Mündung des JAcOBSON'schen Organs. An Stelle der letztern be- 
findet sich bei Lepidostemon jederseits des Vomerpolsters ein kleines, 
abgerundetes Läppchen am vordem Ende der Nasengaumenspalten. 
Diese sind hier erheblich breiter und in ihrem Haupttheil leierartig 
geschweift. Sie endigen hinten mit einer weiten Communications- 
öffnung zwischen Nasen- und Mundhöhle. 

Im Knochen stimmt die Munddecke von Lepidostemon ebenfalls 
im Wesentlichen mit derjenigen vom Amphisbaena überein, im Einzelnen 
aber zeigt sie gewisse Abweichungen, die ich an dem einzigen von 
mir untersuchten Schädel nicht mit voller Sicherheit zu deuten ver- 
mag. Es scheint jederseits ein breiter Gaumenfortsatz des Maxillare 
vorhanden zu sein, der jedoch bis auf einen schmalen medialen Streifen 
verdeckt ist, indem sich ungefähr in der Mitte der Maxillaria das 
wie bei Amphisbaena längs gestellte, aber ausserordentlich lang ge- 
streckte Transversum mit seinem vordem Ende an den weit nach 
hinten reichenden Fortsatz des Intermaxillare anlehnt. Unmittelbar 
hinter dem letztern sind die Ausmündungsstellen des JAcOBSON'schen 
Organs gelegen, die auch hier durch eine breite Knochenbrücke weit 
von den innern Nasenöffnungen getrennt werden. Diese liegen ganz 
oberhalb der Gaumenfortsätze der Maxillaria und sind bei horizontaler 
Lagerung des Schädels von unten nicht zu sehen. Von den übrigen 



— 48 — 

Knochen der Munddecke gilt in der Hauptsache das bei Amphisbaena 
Gesagte; nur die Flügelbeine sind hier relativ viel kürzer als dort, 
und auch die Wölbung der Munddecke ist in Folge des an seiner 
vordem Seite auffallend platt gedrückten Schädels eine weit höhere als 
bei der vorigen Form. 

Der jACOBSON'sche Knorpel ist bei Amphisbaena nur sehr kurz 
und schmal. Er überragt den Gaumenfortsatz des Maxillare median- 
wärts ganz wenig und endigt bereits weit vor dem vordem Ende der 
innern Nasenöffnungen. Von Lepidosternon besass ich keine Schnitt- 
präparate und konnte deshalb den Antheil jenes Knorpelfortsatzes an 
der Bildung der Gaumenblätter nicht näher untersuchen. 

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen. 

Fassen wir nun die aus den vorliegenden Untersuchungen ge- 
wonnenen Resultate zusammen, so ergiebt sich zunächst in der Haupt- 
sache : 

1) dass sich unter den recenten Eidechsen in Bezug auf den Bau 
ihrer Munddecke thatsächlich eine fortschreitende Vervollkommnung 
nachweisen lässt; 

2) dass wir die obersten Glieder der Reihe als Vorstufen zur 
Gaumenbildung der Chelonier, Crocodile und Säugethiere betrachten 
können. 

Allerdings zeigt jene Reihe bei der verhältnissmässig geringen 
Zahl der von mir untersuchten Species vielfache Lücken, aber es 
dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, dass manche davon durch 
Heranziehung von Vertretern der mir nicht zugänglich gewesenen 
Familien ausgefüllt werden könnten, wenn auch ein vollkommen lücken- 
loser Zusammenhang kaum jemals zu erwarten sein dürfte, weil in 
den ausgestorbenen Formen Zwischenglieder verloren gegangen sein 
werden. 

Das untersuchte Material scheint mir indessen umfangreich genug 
zu sein, um die Frage zu beantworten, auf welchem Weg die Bildung 
eines Gaumens zu Stande gekommen ist, indem es den Nachweis zu 
führen gestattet, dass ein solcher nicht nur bei den in dieser Hinsicht 
am weitesten vorgeschrittenen Scincidae, sondern in unverkennbaren 
Anfängen schon bei den tiefer stehenden Eidechsenformen vor- 
handen ist. 

Bei der Erörterung dieser Frage müssen wir daran festhalten und 
es nochmals nachdrücklichst betonen, dass wir im Sinne unserer Unter- 



— 49 — 

suchung unter „Gaumen" nicht schlechthin die Decke der Mundhöhle 
verstehen — wie dies vielfach geschieht — , sondern ausschliesslich 
eine horizontale Scheidewand, welche, wie bei den Säugethieren, eine 
secundäre Mundhöhle von der Nasenhöhle trennt. Es dürfte sich 
daher im Interesse der nachstehenden Auseinandersetzungen empfehlen, 
einige neue Kunstausdrücke anzuwenden. Die primäre Mundhöhle der 
Wirbelthiere wird mit Bezug auf die ektodermale Herkunft ihres Epithels 
als ein Stomodäum bezeichnet. Durch die Bildung des Gaumens 
wird sie in zwei über einander gelegene Etagen zerlegt, von denen 
die obere durch die Nasengänge, die untere durch den Mund mit der 
Aussen weit in Verbindung steht. In dem Maasse aber, wie diese 
Scheidung sich vollzieht, wird es schwieriger, diejenigen Hohlräume, 
welche ich eben als Nasengäoge bezeichnet habe und die bei den 
Amphibien noch in die ungetheilte primitive Mundhöhle oder das 
Stomodäum einmünden — so dass man sie wohl „primitive Nasen- 
höhlen" nennen könnte — von den durch Bildung des Gaumens ihr 
angeschlossenen Theilen des Stomodäums abzugrenzen. Beide er- 
scheinen uns als ein zusammenhängender Hohlraum, den man in her- 
kömmlicher Weise mit dem Namen Nasenhöhle belegt, während man, 
um sich präciser auszudrücken, dafür eigentlich secundäre Nasenhöhle 
sagen müsste. Es bedarf nur eines Hinweises auf den Unterschied 
zwischen dem, was man bei den Amphibien, und dem, was man bei 
den Säugethieren die Nasenhöhle nennt, um diese Behauptung zu be- 
gründen. Ich schlage deshalb vor, die secundäre Nasenhöhle als 
Rhinodäum und die secundäre Mundhöhle als Phagodäum zu 
bezeichnen. 

Danach können wir unsere Frage folgendermaassen formuliren: 
Wie vollzieht sich bei den Eidechsen die Sonderung des Stomodäums 
in Rhinodäum und Phagodäum, und sind noch einige Stadien des 
phylogenetischen Entwicklungsgangs in den gegenwärtig lebenden Ei- 
dechsenformen festgehalten ? 

Ausgehend von dem vielfach bestätigten Erfahrungssatz, dass 
der Weg, den die Phylogenie niederer Formen verfolgt hat, in der 
Ontogenie höherer noch aufgezeichnet erscheint, konnte man nach den 
Beobachtungen über die individuelle Entwicklung des Gaumens bei 
den Säugethieren vermuthen, dass bei den Reptilien und besonders 
den Eidechsen der Gaumen zuerst in Gestalt eines Paares horizontaler 
Falten an den Seiten des Stomodäums auftreten würde, die allmählich 
an Breite zunehmen und schliesslich in der Mittellinie auf einander 
treffen und verwachsen. Diese Erwartung hat sich durch meine Unter- 

4 



- 50 - 

suchung als vollkommen berechtigt erwiesen. Es hat sich ergeben, 
dass der erste Anfang der Gaumenbildung in zwei klappenartigen 
Schleimhautfalten besteht, welche sich von der Seite her über die 
innern Nasenöffnungen legen und diese gegen die Mundhöhle ab- 
schliessen. Gewiss darf es ohne weiteres als einleuchtend bezeichnet 
werden, dass schon auf einer sehr unvollkommnen Entwicklungsstufe 
die Gaumenfalten eine zweckmässige Einrichtung darstellen müssen, 
indem durch sie das Eindringen von Nahrungstheilen in die Nasen- 
höhlen verhindert wird. Allein die Frage, was den Anstoss zu ihrer 
Bildung gegeben haben mag, ist damit noch nicht beantwortet. Ich 
halte mich durch meine Beobachtungen für berechtigt, anzunehmen, 
dass in ähnlicher Weise, wie Gegenbaur in seiner Schrift: „Zur 
Phylogenese der Zunge" 1 ) dargethan hat, dass die Besetzung des 
Mundbodens mit Drüsen nicht nur als eine Vorstufe, sondern als eine 
Vorbedingung für die Ausbildung einer musculösen Zunge anzusehen 
ist, auch die Entstehung von Gaumenfalten von der Besetzung der 
Munddecke mit Drüsen ihren ersten Ausgang genommen hat und von 
hier aus zu erklären ist. 

Abgesehen von Sphenodon, den ich leider in der dazu erforder- 
lichen Weise nicht habe untersuchen können, sind bei den hinsichtlich 
der Gaumenbildung auf der tiefsten Stufe stehenden Lacertiliern die 
Gaumenblätter nicht nur Träger eines mehr oder weniger mächtigen 
Drüsenlagers, sondern bisweilen fast ganz von einem solchen einge- 
nommen, während umgekehrt in dem Maasse, wie sich die Gaumen- 
blätter weiter ausbilden, die Drüsen in ihnen zurücktreten, um zuletzt 
fast ganz zu schwinden. 

Am niedrigsten unter den von mir untersuchten Eidechsen steht 
hinsichtlich des Gaumens Sphenodon, sodann folgen mit bisweilen kaum 
merklicher Abstufung innerhalb der einzelnen Familien die Agamidae, 
Iguanidae, Teiidae, Anguidae, Lacertidae und Zonuridae. Erst in der 
Familie der Scincidae treten auffallende Unterschiede in der Mund- 
deckenbildung zu Tage, und auch nur hier kommt es zur Herstellung 
eines wirklich knöchernen Gaumens, also zu einer markanten Scheidung 
des Stomodäums in Rhinodäum und Phagodäum. Mehr oder weniger 
abseits von dieser Reihe stehen die Varanidae, Geckonidae, Chamae- 
leontidae und Amphisbaenidae. 

Bei Sphenodon fehlt an der knöchernen Munddecke noch jede 
Spur eines Gaumens. Nur in den Weichtheilen kommt es zur Bildung 



1) in: Morph. Jahrb., V. 21. 



- 51 — 

eines solchen, indem sich einerseits das breite Vomerpolster mit seinen 
lateralen Rändern gegen die Innenlippe ausdehnt, andrerseits von 
dieser aus die Gaumenblätter medianwärts vorwuchern und eine 
Trennung der Mund- und Nasenhöhle herbeiführen. Bei Sphenodon 
sind die Gaumenblätter noch relativ schmal; sie reichen nach hinten 
kaum über das Ende der Nasengaumenspalten hinaus. 

Wesentlich stärker ausgebildet sind sie bereits bei den Agamidae, 
unter denen Calotes eine der einfachem Formen zu sein scheint; ihm 
folgen in aufsteigender Reihe : Draco, Amphibolurus, Agama und Uro- 
mastix. Die Gaumenblätter von Calotes sind verhältnissmässig noch 
schwach entwickelt, während das Vomerpolster eine auffallende Breite 
besitzt. Dieses Grössenverhältniss beider Gebilde ändert sich aber bei 
den übrigen Vertretern der Familie in der Weise, dass das Vomer- 
polster successive in gleichem Maasse kleiner wird, wie die Gaumen- 
blätter, namentlich nach hinten hin, an Breite zunehmen. Mit der 
Breite wächst gleichzeitig auch die Länge der Gaumenblätter, so dass 
sie bei Uromastix die Nasengaumenspalten nach hinten weit über- 
ragen und fast auf gleicher Höhe mit den Maxillarzähnen endigen. 
Einen wesentlichen Antheil an dieser Ausbildung des weichen Gaumens 
kommt den Drüsen zu, die sich bei Uromastix sowohl im Vomer- 
polster, in den Gaumenblättern und Lippen, als auch auf dem medianen 
Theil des Palatopterygoidfelds in grosser Zahl vorfinden. 

Auch hinsichtlich der Ausbildung der knöchernen Munddecke 
nimmt unter den Agamiden Uromastix die höchste, Calotes die 
niedrigste Stnfe ein, doch zeigt letzterer gegenüber den Verhältnissen 
bei Sphenodon einen nicht zu verkennenden Fortschritt. Dieser tritt 
besonders deutlich hervor in der ersten Anlage eines Zwischenkiefer- 
fortsatzes sowie in der Bildung von Horizontallamellen an den Maxillaria. 
Ersterer erreicht zwar nur eine geringe Grösse, dagegen werden die 
letztern, namentlich in ihren vordem Partien, von ansehnlicher Breite 
und trennen durch ihre gegenseitige Berührung den Zwischenkiefer- 
fortsatz von den breiten Vomeres. Bei Sphenodon grenzen diese nach 
hinten sowohl an die Palatina als auch an die Pterygoidea, während 
bei Calotes die Vomeres und Pterygoidea durch die Palatina von ein- 
ander getrennt werden. Auch die veränderte Gestaltung und Lagerung 
der Gaumen- und Pflugscharbeine gegenüber der mehr horizontalen 
Lagerung dieser Knochenpaare bei Sphenodon bekundet eine vorge- 
schrittenere Ausbildung der Munddecke, indem sich darin offenbar das 
bei den höher stehenden Formen immer deutlicher hervortretende Be- 
streben zeigt, die innern Nasenöffnungen allmählich aus dem Niveau 

4* 



— 52 - 

des Gaumens zu rücken. Am anschaulichsten unter den Agamiden 
treten diese Verhältnisse bei Uromastix zu Tage, denn hier sind nicht 
nur die Horizontallamellen der Maxiilaria breiter und gleichförmiger 
als bei Calotes, sondern auch die Palatina lassen bereits die ersten 
Anfänge von Gaumenfortsätzen erkennen, in so fern ihre lateralen Ränder 
sich zu Gaumenbeinleisten verdicken, indem sich weiterhin vorn von 
der medialen Ecke jedes Palatinums ein schräg nach oben gerichteter 
Fortsatz gegen die Vomeres erstreckt, wird die vordere Partie jedes 
Gaumenbeins zu einer breiten Rinne umgestaltet, die sich allmählich 
an der hintern Munddecke verliert. 

Aehnliche Verhältnisse wie die Agamiden zeigen uns die Iguanidae. 
Auch bei ihnen lässt sich innerhalb der Familie ein allmähliches Fort- 
schreiten in der Ausbildung des Gaumens feststellen. Die niedrigste 
Stufe nimmt die im Uebrigen ganz aberrante Form Phrynosoma ein ; 
ihr am nächsten steht Sceloporus, sodann folgen Urocentron, Polychrus, 
Iguana, Gtenosaura und Metopoceros. Bei allen diesen Gattungen, 
mit Ausnahme der beiden zuletzt genannten, sind die Gaumenblätter 
nur massig stark entwickelt, so dass es fast den Anschein hat, als 
ständen die Iguaniden hinsichtlich der Gaumenbildung noch hinter 
den Agamiden zurück. Allein gewisse Partien der knöchernen Mund- 
decke weisen darauf hin, dass sie eine höhere Stufe einnehmen. Vor 
allem gilt dies von dem Processus intermaxillaris, der hier wie bei 
fast sämmtlichen höhern Eidechsenformen eine beträchtliche Grösse 
erlangt, während er bei Sphenodon gar nicht, bei den Agamiden aber 
nur in geringem Maasse vorhanden ist. Phrynosoma besitzt zwar 
ebenfalls nur eine kleine Andeutung jenes Fortsatzes, und es berühren 
sich daher die Horizontallamellen der Maxiilaria auch hier hinter dem 
Zwischenkiefer; bei den übrigen Iguaniden jedoch wird diese Be- 
rührung dadurch aufgehoben , dass sich der zu zwei breiten Zacken 
ausgezogene Processus intermaxillaris keilartig zwischen die Gaumen- 
fortsätze der Maxiilaria einschiebt. Diese sind bei Phrynosoma schwach 
entwickelt; bei Iguana erlangen sie nur an ihrem vordem Ende eine 
grössere Breite. Das Hinausrücken der innern Nasenöffnungen aus 
dem Niveau der Munddecke zeigt sich hier noch deutlicher als bei 
der vorigen Familie, und zwar nicht nur an den Vomeres, sondern 
hauptsächlich an den Palatina, in so fern deren vordere Partien zu 
weit tiefern Gaumenrinnen umgeformt sind. 

Das nächste Glied bilden die Teiidae. Von diesen repräsentirt 
Ameiva die einfachere, Tupinambis die entwickeltere Gattung. Der 
Fortschritt beider gegenüber den früher betrachteten Formen lässt 



- 53 — 

• 

sich an mehreren Stellen des Gaumens erkennen. In den Weichtheilen 
zeigt er sich zunächst an einer theilweisen Verwachsung der vordem 
Abschnitte der Gaumenblätter mit dem Vomerpolster und der dadurch 
hervorgerufenen Abtrennung der Ausmündungsstellen des Jacobson- 
schen Organs von den Nasengaumenspalten. Während die letztern 
bisher einen senkrechten Durchgang von der Nasen- in die Mundhöhle 
bildeten, nimmt dieser bei den Teiiden einen von oben nach unten 
schräg gegen die Mittellinie gerichteten Verlauf, indem sich die 
Gaumenblätter medianwärts dem lang gestreckten, drüsenreichen Vomer- 
polster auflegen. Die Gaumenblätter von Ameiva sind drüsenlos und 
schmal und reichen nicht annähernd bis ans hintere Ende des Vomer- 
polsters, bei Tupinambis dagegen überragen sie dieses beträchtlich, 
sind breit und von zahlreichen Drüsen durchsetzt. 

Die in den Weichtheilen beobachtete Abtrennung der Ausmün- 
dungen des JACOBSON'schen Organs von den Nasengaumenspalten findet 
sich an der knöchernen Munddecke nicht vor ; hingegen erscheinen die 
innern Nasenöffnungen dadurch der Mittellinie näher gerückt, dass sie 
lateralwärts zum Theil von den Gaumenfortsätzen der Maxillaria ver- 
deckt werden. Bei Ameiva sind diese Fortsätze relativ schmal, 
während sie bei Tupinambis besonders in ihrem vordem Drittel eine 
weit grössere Breite bewahren. Auch die zu kräftigen Gaumenleisten 
umgeformten lateralen Ränder der Palatina sind bei letzterer Gattung 
erheblich stärker entwickelt als bei ersterer und lassen ein weiteres 
Herausrücken der innern Nasenöffnungen aus dem Niveau des Gaumens 
immer deutlicher erkennen. 

Den Teiiden am nächsten stehen die Anguidae, doch ist hinsicht- 
lich der Munddeckenbildung kein directer Zusammenhang zwischen 
beiden Familien zu ersehen. Zwar finden wir hier wie dort die vordem 
Partien der Gaumenblätter und des Vomerpolsters mit einander ver- 
wachsen, aber die den Teiiden eigenthümliche, nur noch bei den Vara- 
niden und Amphisbaeniden beobachtete Abtrennung der Mündungen 
des JACOBSON'schen Organs von den Nasengaumenspalten fehlt den 
Anguiden gänzlich. Immerhin ist bei letztern die Scheidung zwischen 
der Mund- und Nasenhöhle eine vollkommnere als bei der vorigen 
Form. Dies tritt besonders an der knöchernen Munddecke hervor. 
Der Horizontalfortsatz des Zwischenkieferbeins, der den Teiiden ganz 
und gar fehlt, hat hier eine beträchtliche Grösse und drängt sich nach 
hinten keilartig zwischen die Vomeres. Diese liegen nur noch mit 
ihrem verdickten medialen Rand im Niveau des Gaumens, sind da- 
gegen mit ihren lateralen Partien ziemlich steil aufwärts gerichtet, so 



— 54 — 

dass die innern Nasen Öffnungen weit über der Munddecke gelegen sind. 
Die Gaunienfortsätze der Maxiilaria, die diese Oeffnungen zum Theil 
verdecken, sind nicht nur in ihren vordem Partien viel stärker aus- 
gebildet als bei den frühern Gattungen, sondern haben sich bei Anguis 
kurz vor ihrer Anlehnungsstelle an die Palatina zu einer medianwärts 
vorspringenden kleinen Knochenplatte verbreitert. An den Gaumen- 
beinen ist ausser dem medialen Rand besonders der laterale zu einer 
kräftigen Leiste verdickt und dadurch der vordere Abschnitt jener 
Knochen zu einer tiefen Rinne umgestaltet worden. 

Bei den Lacertidae tritt das bis dahin nur an der knöchernen 
Munddecke beobachtete Hinausrücken der innern Nasenöffnungen aus 
dem Niveau des Gaumens auch in den Weichtheilen zu Tage. Es 
bleibt daher von den Nasengaumenspalten nur das vordere Ende sicht- 
bar, während ihr hinterer Abschnitt und die innern Vorhöhlen des 
Nasengangs sich seitlich davon oberhalb der Gaumenblätter hinziehen. 
Letztere zeigen bei den verschiedenen Gattungen eine stufenweis fort- 
schreitende Entwicklung, die ihren Höhepunkt bei Eremias erreicht, 
wohingegen Lacerta ocellata eine der einfachem Formen ist. Zwischen 
beiden lassen sich L. agilis, L. viridis, L. muralis und L. vivipara 
in aufsteigender Reihe einordnen. Allen gemeinsam ist das Verhalten 
des hintern Abschnitts der Gaumenblätter, in so fern dieser sich nicht 
mehr frei von den angrenzenden Partien des Palatopterygoidfelds ab- 
hebt, sondern in dasselbe übergeht. Bei Eremias hat diese Bildung 
einen solchen Grad erreicht, dass sich die medialen Ränder der Gaumen- 
blätter nach hinten ohne merkliche Abstufung bis an die Ränder der 
Sphenoidbucht erstrecken. Auf diese Weise kommt es hier schon in 
den Weichtheilen zur Herstellung einer echten secundären Munddecke, 
die sich theil weise über die primäre hinzieht und uns über das Zu- 
standekommen der Trennung von Mund- und Nasenhöhle durch einen 
Gaumen nicht mehr im Zweifel lässt. 

Auch im Knochen zeigt die Munddecke der Lacertidae einen 
wesentlichen Fortschritt gegenüber den bis dahin betrachteten Formen. 
Dies tritt uns zunächst entgegen an den innern Nasenöffnungen, die 
hier weit mehr nach oben gerückt und gegen die Mittellinie verschoben 
sind als bisher. Jede erscheint nämlich, von unten gesehen, nicht 
mehr als eine einzelne grosse Oeifhung, sondern ist in zwei durch 
einen engen Spalt mit einander verbundene Löcher zerlegt. Diese 
Erscheinung ist einerseits begründet in der Gestalt und Lagerung 
der Vomeres , andrerseits in der Ausbildung der Gaumeufort- 
sätze der Maxiilaria. Bei sämmtlichen Lacertidae sind letztere gut 



- 55 - 

entwickelt, so dass sie medianwärts weit gegen die Pflugschar- 
beine vorragen und die innern Nasenöffnungen zum grossen Theil über- 
decken. Mit ihrem ausgebuchteten Rand umfassen sie vorn den jeder- 
seits in einer Zacke endigenden Horizontalfortsatz des Zwischenkiefer- 
beins und legen sich breit den Palatina an. Diese zeigen hier in so 
fern eine für meine Untersuchung wichtige Abweichung von der frühern 
Form, als sich an ihnen zum ersten Mal die Bildung von horizontalen 
Gaumenfortsätzen kundgiebt. Während nämlich bisher die lateralen 
Ränder der Palatina nur dicke Leisten bildeten, ist deren vorderes 
Ende hier merklich durch kleine, gegen die Mittellinie gerichtete 
Horizontalplatten verbreitert, welche die von den innern Nasenöffnungen 
auf die hintere Munddecke führenden Gaumenbeinrinnen theilweise 
verdecken und die Fortsetzung der Horizontallamellen der Maxillaria 
nach hinten bilden. Auf der fortschreitenden Entwicklung 
jener Fortsätze der Palatina und der Maxillaria be- 
ruht die allmähliche Herstellung des knöchernen 
Gaumens. 

Grosse Uebereinstimmung mit den soeben besprochenen Verhält- 
nissen bietet die Munddecke der Zonuridae dar, doch kommt es bei 
ihnen zu einer noch vollkommenem Gaumenbildung. In den Weich- 
theilen zeigt sich dies namentlich an einer stärkern Entfaltung der 
Gaumenblätter, die sich medianwärts mit ihrem durch Drüsen ver- 
dickten Rand dem Vomerpolster auflegen und dadurch die innern Vor- 
höhlen des Nasengangs nach unten hin bedeutend mehr abschliessen 
als bei der vorigen Familie. 

Auch für die knöcherne Munddecke der Zonuridae gilt fast in 
allen Stücken das bei den Lacertidae Gesagte. Die Gaumenbeinrinnen 
und die Gaumenfortsätze der Palatina sind hier aber noch stärker 
ausgebildet, und es stehen daher die Zonuridae in dieser Hinsicht noch 
etwas höher als die Lacertidae. 

Die vollendetste Form der unter den Eidechsen überhaupt vor- 
kommenden Gaumenbildung finden wir bei den Scincidae, und zwar 
lassen sich an den einzelnen Gattungen derselben fast alle Stufen in 
der Herstellung der Gaumenplatte erkennen. Am niedrigsten in dieser 
Hinsicht steht JEumeces, sodann folgen Gongylus, Chalcides, Egernia, 
Mabuia und Tiliqua. Bei den drei ersten Gattungen ist der Gaumeu 
— selbst in den Weichtheilen — in so fern noch unvollkommen, als 
er in der Mitte durch einen Spalt von der Breite des relativ grossen 
Vomerpolsters offen bleibt. Durch diesen hindurch erblickt man noch 
den grössten Theil der primären Munddecke, und auch von den innern 



— 56 — 

Vorhöhlen des Nasengangs bleiben die hintersten Partien als zwei 
grubenähnliche Vertiefungen sichtbar. Die in ihrem maxillaren Ab- 
schnitt durch mächtige Drüsen verstärkten Gaumenblätter sind nur 
gegen ihr vorderes Ende schwach entwickelt, im Uebrigen sind sie 
breit und viel mächtiger als bei den frühern Formen. Sie reichen 
nach hinten bis weit auf das Palatopterygoidfeld, wo sie bei Chalcides 
kräftig gegen die Mittellinie vorwachsen und den breiten Gaumen- 
spalt beträchtlich einengen. 

Wesentlich besser ausgebildet als bei diesen drei niedrigsten 
Gattungen der Scincidae ist der weiche Gaumen von Egemia, in so 
fern durch ihn eine gänzliche Scheidung des Stomodäums in ein 
Rhinodäum und Phagodäum bewirkt wird und es damit zum ersten 
Mal zur Bildung eines Pharynx und eines Ostium pharyngo-nasale 
kommt, wenn ich mit diesem Ausdruck, wie auf S. 2 bemerkt, den 
hintern, ungetheilten Abschnitt der primären Mundhöhle, bezw. die 
Communicationsöffnung zwischen dieser und der Nasenhöhle verstehe. 
Hervorgerufen wird diese Bildung durch die ausserordentlich breiten 
Gaumenblätter, die sich beinahe berühren. Sie verdecken die innern 
Vorhöhlen des Nasengangs vollständig. Das Vomerpolster, das bei 
den vorher besprochenen Scinciden sehr breit war und die Nasen - 
gaumenspalten weit von einander trennte, läuft hier in eine stumpfe 
Spitze aus, so dass jene Spalten fast vereinigt in das Ostium pharyngo- 
nasale münden. 

Während letzteres bei Egemia unmittelbar am hintern Rand des 
Vomerpolsters liegt, finden wir es bei Mabuia — dem Vertreter der 
nächst höhern Gaumenform — weit von diesem getrennt. Die Ur- 
sache sind die Gaumenblätter, die längs einer grossen Strecke an ein- 
ander stossen und dadurch die Scheidung des Rhinodäums und Phago- 
däums um ein Weiteres vervollständigen. Das Vomerpolster ist sehr 
breit, aber viel kürzer als bei Egemia. Es endigt hinten mit einer 
scharfen Spitze, an der sich die beiden Nasengaumenspalten zu einem 
einzigen engen Gaumenspalt vereinigen, welcher nach hinten in das 
Ostium pharyngo-nasale ausgeht. Bis auf diese schmalen Spalten ist 
der Gaumen vollständig geschlossen. 

Zu einem vollkommnen Gaumenschluss kommt es selbst nicht 
auf der höchsten Stufe der Ausbildung, — bei Tiliqua gigas. Gegen- 
über Mabuia zeigt der weiche Gaumen von Tiliqua hauptsächlich 
darin einen Fortschritt, dass bei ihm die Gaumenblätter nicht nur 
zusammenstossen, sondern eine bedeutende Strecke weit über einander 
greifen, indem das rechte Gaumenblatt sich unter das linke schiebt 



— 57 — 

und dieses über jenes. Hierdurch wird die Trennung der Mund- und 
Nasenhöhle eine vollständigere als bei der vorigen Form. Wie dort, 
so vereinigen sich auch hier hinter dem spitz auslaufenden Vomer- 
polster die beiden Nasengaumenspalten zu einer schmalen Gaumen- 
spalte. Diese reicht jedoch nicht wie im vorigen Fall frei bis an das 
Ostium pharyngo-nasale , sondern verschwindet bereits vorher unter 
dem übergreifenden Gaumenblatt. 

Hand in Hand mit dieser allmählich fortschreitenden Ausbildung 
des weichen Gaumens der Scincidae geht successive auch eine Ver- 
vollkommnung der knöchernen Munddecke vor sich, indem die schon 
bei den Lacertiden und Zonuriden auftretenden horizontalen Gaumen- 
fortsätze der Palatina sich ganz besonders stark in dieser Familie 
entwickeln und schliesslich zusammen mit den Vomeres und den Hori- 
zontallamellen der Maxillaria einen wirklichen knöchernen Gaumen 
bilden. Schon bei Eumeces zeigen sich hierin gegenüber den früher 
betrachteten Eidechsen nicht unerhebliche Abweichungen; diese treten 
bei Chalcides noch schärfer hervor und am deutlichsten bei Tiliqua. 
Bei allen Scinciden liegen die innern Nasenöffnungen weit gegen die 
Mittellinie vorgedrängt, fast ganz oberhalb der breiten Gaumenfort- 
sätze der Maxillaria. Sie erscheinen, von unten gesehen, als lang ge- 
streckte, schmale Löcher, vor denen die Ausmündungsstellen des 
jACOBSON'schen Organs gelegen sind. Die Palatina berühren sich vorn, 
gehen aber nach hinten bald mehr, bald weniger weit aus einander. 
Ihre Gaumenfortsätze haben schon bei Eumeces und Chalcides eine 
beträchtliche Breite, bleiben aber noch weit getrennt, so dass der 
knöcherne Gaumen bei diesen Gattungen durch einen breiten Spalt 
offen bleibt und das Gaumenbein im Querschnitt als ein hakenförmig 
gegen die Mittellinie umgebogener Knochen erscheint. Bei den höher 
entwickelten Gattungen der Scincidae verengt sich der Gaumenspalt 
zwar in gleichem Maasse, wie die horizontalen Fortsätze der Palatina 
und Maxillaria an Breite zunehmen, aber selbst bei Tiliqua kommt es 
zu keinem wirklich geschlossenen Gaumen, d. h. nicht zur Verwachsung 
der einander entgegenstrebenden Gaumenbeinfortsätze. Vielmehr findet 
das in den Weichtheilen beobachtete Uebereinandergreifen der beiden 
Gaumenhälften — wenngleich weniger scharf ausgeprägt — auch im 
Knochen statt. Wie dort haben wir also auch hier nur eine fast 
vollendete Scheidung der Mund- und Nasenhöhle durch den Gaumen. 
Die Nasenhöhle ist nach hinten zu einer langen Röhre ausgezogen, 
die nach oben von den Vomeres und den eigentlichen Körpern der 
Palatina, nach unten von den horizontalen Gaumenfortsätzen der 



- 58 — 

letztern begrenzt wird. Die weiten Choanen liegen oberhalb dieser 
Gaum enfortsätze, kurz vor dem vordem Ende der Pterygoidea. 

Dass diese bei Tiliqua geschilderten Munddecken Verhältnisse noch 
nicht die höchste Stufe der unter den Scinciden vorkommenden Gaumen- 
bildung umfassen, beweisen die von Siebenrock bei der Gattung 
Lygosoma gemachten Beobachtungen. Er schreibt: „Die vordem 
medialen Ränder der Pterygoidea sind gewöhnlich durch einen weiten 
Spalt getrennt, wie wir dieses bei den meisten Lygosoma- Arten, bei 
Mabuia etc. finden. Ganz abweichend aber sind diese Verhältnisse 
bei einigen Lygosoma-Arteu , welche den australischen Continent be- 
wohnen und zur ehemaligen Gattung Hinulia gehören und sich auch 
durch andere , schon früher angeführte osteologische Eigenthümlich- 
keiten von allen übrigen Lygosoma- Arten unterscheiden. Speciell bei 
L. austräte und L. quoyi stossen die vordem Enden der Pterygoidea 
in der Mittellinie zusammen, und zwar legen sie sich bei der zweiten 
Art ein kurzes Stück an einander, während sich bei der erstem der 
linke mediale Rand über den rechten schiebt." 

Leider ist es mir nicht möglich gewesen, für meine Untersuchungen 
Vertreter dieser beiden Lygosoma- Arten zu verwenden, und ich habe 
deshalb Siebenrock's Befunde in Bezug auf das Verhalten der Mund- 
weichtheile nicht prüfen können. Immerhin erkennen wir, dass die 
bei Tiliqua nur an den Gaumenbeinen auftretenden Verhältnisse sich 
in der Gattung Lygosoma sogar bis auf die Pterygoidea erstrecken 
und dass es daher wie im Knochen so auch wohl zweifelsohne in den 
Weichtheilen zu einer noch vollkommenem Gaumenbildung kommt, als 
ich sie bei Tiliqua geschildert habe. 

Nicht einzugliedern in die aufsteigende Reihe der Eidechsen sind 
die Familien der Varanidae, Geckonidae, Chamaeleontidae und Am- 
phisbaenidae , auch lassen sich Beziehungen dieser Familien zu ein- 
ander und zu den früher betrachteten Formen nur an wenigen Stellen 
nachweisen. Sie stehen hinsichtlich des Baues ihrer Munddecke ins- 
gesammt auf einer sehr niedrigen Stufe und zeigen zum Theil grosse 
Abweichungen von der eigentlichen Grundform derselben. 

Bei den Varanidae kommt es nicht einmal in den Weichtheilen 
zur Bildung eines Gaumens, da ihnen der bei allen übrigen Eidechsen 
vorhandene, bald mehr, bald weniger vollkommne untere Abschluss 
der innern Vorhöhlen des Nasengangs durch die Gaumenblätter gänz- 
lich fehlt. Letztere sind bis auf ihre vordersten Partien höchst rudi- 
mentär. Sie verstreichen nach hinten lateralwärts ziemlich plötzlich 
als ein dünner Hautsaum unter der Lippenfalte, so dass die Nasen- 



— 59 — 

gaumenspalten vollständig verschwinden und sogar ein Stück der 
Nasenmuschel von unten sichtbar bleibt. Der knöchernen Munddecke 
mangelt sowohl an den Maxiilaria als auch an den Palatina jede Spur 
von Horizontallamellen ; nur das Zwischenkieferbein trägt einen laugen 
Fortsatz, der die äussert schmalen und lang gestreckten Vomeres von 
vorn begrenzt. Mit den Anguiden übereinstimmend ist bei den Vara- 
niden das Vorkommen kleiner Foramina intermaxillaria, während die 
bei den Teiiden in den Weichtheilen beobachtete Trennung der Aus- 
mündungsstellen des JACOBSON'schen Organs und der innern Nasen- 
öffnungen hier auch noch im Knochen besteht. 

Eine vollkommnere Sonderung zwischen Mund- und Nasenhöhle 
als bei den Varaniden zeigt die weiche Munddecke der Geckoniäae, 
die trotz ihrer weitgeschweiften Umrandung und der gedrungenen Ge- 
stalt ihrer einzelnen Theile der Grundform des Eidechsengaumens 
ziemlich nahe steht. Während bei der vorigen Familie die innern 
Vorhöhlen des Nasengangs nach unten hin ganz offen liegen, sind die- 
selben hier bis auf schmale Nasengaumenspalten geschlossen, indem 
die dort vorhandenen rudimentären Gaumenblätter hier eine beträcht- 
liche Breite erlangt haben. Wesentlich beeinflusst wird diese kräftige 
Ausbildung jener Deckfalten durch Drüsen und den JACOBSON'schen 
Knorpel. Beide sind bei den Geckoniden mächtig entwickelt, fehlen 
aber in den Gaumenblättern der Varaniden vollständig, während sie 
diese hier bis über den hintern Rand der innern Nasenöffnungen hinaus 
durchziehen. Den breiten Gaumenblättern entsprechen an der knöchernen 
Munddecke verhältnissmässig gut ausgebildete Gaumenfortsätze der 
Maxillaria und der Palatina, doch bleiben die innern Nasenöffnungen 
noch als zwei grosse Löcher sichtbar. Die Betheiligung der Vomeres 
an der Bildung des Gaumens ist eine äusserst geringe. Eigenartig 
an ihnen ist ihre hintere Begrenzung, in so fern diese zum weitaus 
grössten Theil von einer dünnen Membran gebildet wird, die sich nach 
hinten bis an das Ethmoideum erstreckt ; nur mit den äussersten Ecken 
ihrer lateralen Ränder stossen die Vomeres an einen zackenartigen 
Fortsatz der Palatina. 

Bei den Chamaeleontiden haben die Gaumenblätter durch Ein- 
lagerung mächtiger Drüsen und unter Einwirkung des kräftig ent- 
wickelten JACOBSON'schen Knorpels ebenfalls eine bedeutende Breite 
erlangt. Sie gehen nach hinten ohne merkliche Abstufung in die an- 
grenzenden Weichgebilde des Palatopterygoidfelds über und verdecken 
zum grossen Theil die innern Vorhöhlen des Nasengangs nebst der 
tiefen Medianfurche, in welche jene nach hinten auslaufen. Während 



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es hierdurch in den Weichtheilen zu einer ziemlich vorgeschrittenen 
GaumenbilduDg kommt, bleibt die knöcherne Munddecke in dieser 
Hinsicht weit zurück. Zwar tragen die Maxiilaria massig breite 
Horizontalfortsätze, die sich vorn längs einer beträchtlichen Strecke 
berühren und an die sich hinten medianwärts vorspringende Knochen- 
leisten der Palatina und Pterygoidea ansetzen, aber zur Bildung wirk- 
licher Gaumenbeinfortsätze kommt es nicht. Fast ganz ohne Einfluss 
auf die Herstellung der knöchernen Gaumenplatte sind das Zwischen- 
kieferbein mit seinem winzigen Processus intermaxillaris und der auf- 
fallend kurze, horizontal liegende Vomer; auch bleiben die grossen, 
mandelförmigen innern Nasenöffnungen von unten in ihrer ganzen Aus- 
dehnung sichtbar. 

Der weiche Gaumen der Amphisbaenidae ist trotz mannigfaltigen 
Eigenthümlichkeiten im Ganzen gut entwickelt, in so fern die breiten 
und lang gestreckten Gaumenblätter sich dem Vomerpolster dicht an- 
legen und dadurch zwischen Mund- und Nasenhöhle nur verhältniss- 
mässig enge Communicationsspalten frei lassen. Getrennt von diesen 
liegen bei Amphisbaena die Austrittsstellen des JACOBSON'schen Or- 
gans — ähnlich wie bei den Teiiden und Varaniden — während jene 
Trennung bei Lepiäosternon nicht besteht. Da Munddeckendrüsen 
gänzlich fehlen und der JACOBSON'sche Knorpel nur eine geringe Grösse 
erlangt, fällt vorwiegend dem Bindegewebe und Epithel die kräftige 
Ausbildung der Gaumenblätter zu. Eigenartig an diesen und von 
den entsprechenden Gebilden aller übrigen Eidechsen abweichend ist 
bei Amphisbaena das Vorhandensein einer Art Tasche auf jedem 
Gaumenblatt, deren Zweck sich jedoch aus meinen Schnittpräparaten 
nicht näher ergab. 

Weniger vollkommen als in den Weichtheilen ist der Gaumen der 
Amphisbaeniden im Knochen; dennoch übertrifft er hinsichtlich seiner 
Ausbildung den Gaumen mancher früher besprochenen Gattung um 
ein Bedeutendes. Dies zeigt sich namentlich an den innern Nasen- 
öffnungen, in so fern dieselben ganz seitlich oberhalb der breiten Gaumen- 
fortsätze der Maxillaria gelegen und bei verticaler Anschauung von 
unten nicht zu sehen sind. Breite und tiefe Rinnen , die durch die 
Vomeres und Palatina gebildet werden, führen von ihnen auf die 
hintere Munddecke. Die in den Weichtheilen beobachtete Trennung 
der Ausmündungen des JACOBSON'schen Organs von den innern Nasen- 
öffnungen findet sich in Uebereinstimmung mit den Varaniden auch 
im Knochen vor. Abweichend jedoch von der Gaumenbildung sämmt- 
licher vorstehend betrachteten Eidechsen ist bei den Amphisbaeniden 

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— 61 . — 

das gänzliche Fehlen der Foramina suborbitalia und die hierdurch 
bedingte eigenthümliche Einzwängung der Transversa zwischen die 
angrenzenden Munddeckenknochen. 



Literaturverzeichniss. 



Born, Die Nasenhöhlen und der Thränennasengang der amnioten Wirbel- 
thiere, in: Morph. Jahrb., V. 5. 

Leydio, Die in Deutschland lebenden Arten der Saurier. 

Parker, On the structure and development of the skull in the Lacertilia, 
in: Phil. Trans. Roy. Soc. London, 1879. 

Reichel, Beitrag zur Morphologie der Mundhöhlen drüsen der Wirbel- 
thiere, in : Morph. Jahrb., V. 7. 

Siebenrock, Beitrag zur Kenntniss des Kopfskelets der Scincoideen, 
Anguiden und Gerrhosauriden, in: Ann. Hofmuseum Wien, V. 10. 

Vogt u. Yung, Lehrbuch der praktischen vergleichenden Anatomie, 
V. 2. 



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Lebenslauf. 



Ich, Carl Heinrich Busch, mennonitischer Konfession, bin am 
2. December 1861 zu Norden in Ostfriesland als der Sohn des Fabri- 
kanten Dr. C. Busch geboren, erhielt meine erste Schulbildung auf 
dem Gymnasium meiner Vaterstadt, besuchte von 1872 — 1878 das 
Gymnasium zu Celle und ging alsdann nach Hannover, woselbst ich 
Ostern 1881 das Reifezeugniss erlangte. 

Nach Absolvirung meines Dienstjahres zu Berlin widmete ich mich 
daselbst sechs Semester dem Studium der Mathematik, Physik und 
beschreibenden Naturwissenschaften, ging sodann einige Semester nach 
Göttingen und hierauf zur Beendigung meiner Studien nach Giessen, 
wo ich Ostern 1893 die Lehramtsprüfung ablegte. Schon einige Zeit 
vorher hatte ich die zu der vorliegenden Arbeit nothwendigen Unter- 
suchungen unter der gütigen Leitung des Herrn Prof. Dr. J. W. 
Spengel begonnen, der mir auch aus den Sammlungen des Giessener 
Zoologischen Instituts das geeignete Material bereitwilligst zur Ver- 
fügung stellte. Hierfür sowie für die vielseitige Anregung und Unter- 
stützung bei der Abfassung vorliegender Arbeit erlaube ich mir dem- 
selben meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. 

Zu Ostern 1894 trat ich in das pädagogische Seminar am Grossh. 
Gymnasium zu Giessen ein, wirkte sodann von Ostern 1895—1896 
am Grossh. Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt und bin gegen- 
wärtig als Lehramts-Assessor am Grossh. Gymnasium und der Real- 
schule zu Worms beschäftigt. 

Worms, den 1. April 1897. Carl Busch, 

Lehramts - Assessor. 



Frommannsche Buchdruckerei (Hermana Pohle) in Jena.